Studie

HIV-Therapie: Einmal wöchentlich statt jeden Tag 31.07.2026 08:06 Uhr

Berlin - 

HIV ist mit einer antiretroviralen Therapie (ART) gut behandelbar. Betroffene müssen in der Regel täglich eine oder mehrere Tabletten einnehmen. Forschende konnten nun zeigen, dass eine einmal wöchentlich einzunehmende Tablette genauso wirksam ist wie die tägliche Einnahme.

Eine internationale klinische Studie mit Beteiligung des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn hat gezeigt, dass die wöchentliche Einnahme der Kombination aus Islatravir und Lenacapavir genauso wirksam ist wie eine tägliche orale HIV-Behandlung. Die Forschenden glauben, dass die einmal wöchentlich einzunehmende Tablette eine wichtige zusätzliche Behandlungsoption für Menschen mit HIV darstellen könnte. Die Studienergebnisse der Phase-3-Studie ISLEND-1 wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

An der internationalen Studie nahmen 607 Erwachsene an 106 klinischen Standorten in zwölf Ländern teil. Personen, die unter der täglichen Standardtherapie eine Virusunterdrückung aufrechterhalten hatten, erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder die einmal wöchentlich einzunehmende Tablette oder ihre bestehende tägliche Medikation.

Das Ergebnis

Nach 48 Wochen erwies sich die einmal wöchentliche Therapie als der Standardbehandlung mit einmal täglicher Einnahme nicht unterlegen, so die Forschenden. Zudem zeigte sich, dass mehr als 93 Prozent der Teilnehmenden beider Gruppen die Virusunterdrückung beibehielten. In der Gruppe mit wöchentlicher Einnahme trat kein virologisches Versagen auf.

Die tägliche Arzneimitteleinnahme kann nach wie vor zu Stigmatisierung und Behandlungsmüdigkeit beitragen. Eine einmal wöchentlich einzunehmende orale Therapie könnte mehr Flexibilität bieten und gleichzeitig die Notwendigkeit von injizierbaren Therapien vermeiden, so die Forschenden.

Das Fazit der Forschenden

„Die erste wöchentliche orale Therapie zur Behandlung von HIV überhaupt könnte Menschen, die mit HIV leben, eine willkommene Erleichterung von der Belastung durch die lebenslange tägliche Einnahme von Tabletten bieten“, sagt Korrespondenzautorin Professorin Chloe Orkin. Erstautor Professor Jürgen K. Rockstroh ergänzt: „Therapievereinfachungen wie diese einmal wöchentliche Therapie können einen wichtigen Beitrag leisten, Menschen mit HIV bei der Therapietreue zu helfen und der Tablettenmüdigkeit einer lebenslangen Therapie entgegenzuwirken.“

Die Studie läuft noch weiter, und die Teilnehmenden werden insgesamt 96 Wochen lang weiter beobachtet, um die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit zu bewerten.

Wirkstoff-Check

Islatravir gehört zu den nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Translokations-Inhibitoren (NRTTI) und hemmt so die Viruslast. Lenacapavir ist ein mehrstufiger, selektiver Inhibitor der HIV-1-Capsid-Funktion, der direkt an die Schnittstelle zwischen den Capsid-Protein-(CA)-Untereinheiten bindet. Der Wirkstoff hemmt die Virusreplikation auf mehreren Wegen. Zum einen greift der Wirlstoff in die capsidvermittelte nukleäre Aufnahme von proviraler HIV-1-DNA, die Virusassemblierung und -freisetzung sowie die Capsid-Kernbildung ein.