HIV-Prophylaxe

Apothekenprojekt: Vorzugspreis für Hexal-PrEP APOTHEKE ADHOC, 12.09.2017 09:54 Uhr

Berlin - Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) kann HIV-Infektionen verhindern. Dank Apotheker Erik Tenberken und Generikahersteller Hexal wird die PrEP demnächst für ein Zehntel des üblichen Abgabepreises erhältlich sein. In sieben deutschen Städten wird voraussichtlich Ende September die PrEP in kooperierenden Apotheken für etwa 50 Euro im Monat zur Verfügung stehen.

Die Fixkombination enthält Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil (TDF) in der Dosierung 200/245 mg. Das Patent des Originalpräparats Truvada (Gilead) ist am 25. Juli abgelaufen. Bereits vor einigen Wochen kamen die ersten Genrika auf den Markt. Gilead will das Patent mit Hilfe des ergänzenden Schutzzertifikat („SPC“) bis 2020 ausweiten. Das Bundespatentgericht war im Rahmen der parallel anhängigen Nichtigkeitsverfahren der Argumentation der Generikahersteller gefolgt und hatte in einem qualifizierten Hinweis das SPC für nicht rechtsbeständig erklärt.

Unter den Generikaherstellern kann Hexal neben der Behandlung einer HIV-Infektion auch auf eine Zulassung zur PrEP verweisen. Somit ist Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil Hexal neben Truvada auch im Rahmen einer PrEP einsetzbar – die Kosten werden von den Krankenkassen jedoch nicht übernommen. Tenberken begann bereits Anfang der 90er-Jahre aufgrund zahlreicher Aids-Fälle in seinem Freundeskreis, sich in der Aufklärung über die Krankheit einzusetzen, ging in Verhandlungen mit den Herstellern. Seine Birken-Apotheke in Köln ist darauf spezialisiert, HIV-Patienten und deren Angehörige zu beraten. Tenberken ist zudem Mitglied der Deutschen Arbeitsgeminschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken (DAHKA) sowie Ehrenmitglied der Aidshilfe Köln.

Tenberken wollte die PrEP bezahlbar machen und konnte, nachdem Gilead sich nicht kooperativ zeigte, Hexal gewinnen, sein Generikum in einem eigens für die PrEP ins Leben gerufenen Projektes patientenindividuell zu 28 Tabletten verblistern zu lassen. Für 50 Euro. Der Apotheker hat für sein Projekt deutschlandweit sieben Apotheken mit ins Boot geholt. Das Arzneimittel kann so günstig abgegeben werden, weil der Rabatt direkt an den Kunden weitergegeben wird. Lediglich die Kosten für die Verblisterung in Tenberkens Blisterzentrum Kölsche Blister wird für die Preisberechnung nach Arznemittelpreisverordnung aufgeschlagen.

Neben der Birken-Apotheke in Köln zählen die Albert-Schweitzer-Apotheke in Düsseldorf, die Leibniz-Apotheke in Hannover, die Alexander-Apotheke in Hamburg, die Witzleben-Apotheke sowie die Apotheke in der Axel-Springer-Passage in Berlin, die Marien-Apotheke in München und die Eichwald-Apotheke in Frankfurt am Main zu den kooperierenden Apotheken. Mit der Zeit werden voraussichtlich weitere Partner dazu kommen. Im Auftrag der Apotheke wird die Bestellung der 28 Tabletten individuell verblistert und anschließend ausgeliefert. Die Patienten können nach Vorlage eines gültigen Rezeptes ihr Arzneimittel in der Apotheke abholen.

Eine Verordnung erhält jedoch nur, wer auch eine entsprechende Untersuchung beim Arzt erhalten hat. Dieser muss ausschließen, dass der Patient bereits infiziert ist. In diesem Fall muss ein Therapieregime für den Betroffenen verordnet werden. Würde nur die PrEP gegeben, würde die Gefahr der Resistenzen steigen. Wer jedoch die Kosten für die Untersuchung trägt, ist bislang jedoch noch ungeklärt.

Laut einer Studie von Studie Erasmus MC Rotterdam in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter und dem Robert-Koch-Institut könnte die PrEP bei einer Einführung im kommenden Jahr bis 2030 etwa 9000 HIV-Neuinfektionen verhindern.

Das Arzneimittel wird im Rahmen der PrEP einmal täglich eingenommen. Indiziert ist das Präparat in Kombination mit Safer-Sex bei Erwachsenen einem hohen HIV-Risiko, um die Gefahr einer Virusinfektion zu minimieren. Seit Oktober 2016 ist die PrEP für Selbstzahler zugelassen. 2015 belegten die Studien Ipergay und Proud bei schwulen Männern eine Senkung des HIV-Übertragungsrisikos von etwa 86 Prozent.

Für eine anlassbezogene PrEP werden zwei Tabletten bis spätestens zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr sowie je eine Tablette an den folgenden zwei Tagen eingenommen. Die Wirksamkeit der anlassbezogenen PrEP ist jedoch noch nicht zweifelsfrei erwiesen. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist die regelmäßige Einnahme. Die Patienten sollten sich regelmäßigen HIV-Tests und ärztlichen Untersuchungen unterziehen.

Mit Truvada hat Gilead im vergangenen Jahr etwa 3,6 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Die Kombination bildet als „Backbone“ die Basis des individuellen Therapieregimes und wird mit weiteren Wirkstoffen kombiniert. TDF und Emtricitabin gehören zur Gruppe der Nukleosidischen-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) und bewirken einen DNA-Kettenabbruch.