Ab sofort „lokalisiert“ oder „systemisch“

Harnwegsinfektion: Neue Einteilung optimiert Therapie 10.06.2026 08:01 Uhr

Berlin - 

Die traditionelle, oft missverständliche Einteilung von Harnwegsinfektionen in „kompliziert“ und „unkompliziert“ soll geändert werden. Die neue Klassifikation basiert auf einer praxisnahen Unterscheidung zwischen „lokalisierten“ und „systemischen“ Infekten, um den klinischen Schweregrad präziser abzubilden. Das Ziel: ein sicheres und effizientes Patientenmanagement.

Bisher wurden Harnwegsinfektionen in „unkompliziert“ und „kompliziert“ eingestuft. Dabei sollte der Begriff „kompliziert“ auf das Vorhandensein von Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen hinweisen, die eine Behandlung erschweren. Mittlerweile wurde diese Klassifizierung jedoch auch zur Bewertung des klinischen Schweregrads und einer möglichen systemischen Beteiligung herangezogen.

Fehlinterpretationen

Dies führt bis heute zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. So könnte beispielsweise eine akute Pyelonephritis ohne Risikofaktoren fälschlicherweise als „unkompliziert“ eingestuft und in der Folge inadäquat behandelt werden. Dabei zeigen Studien wie CERTAIN-1 und POScUTI, dass die Orientierung an systemischen Zeichen, Risikofaktoren und typischen Symptomen besser funktioniert, um Betroffene adäquat zu behandeln.

Weil das Fehlen einer klaren Definition ein effizientes Patientenmanagement erschwert und die Vergleichbarkeit von Studienergebnissen beeinträchtigt, hat das Guidelinepanel für urologische Infektionen der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) beschlossen, die Begriffe „unkompliziert“ und „kompliziert“ nicht länger zu verwenden. Das Ziel: eine Klassifikation, die praxisnah, eindeutig und weniger interpretationsanfällig ist.

Wann lokal, wann systemisch?

Heißt konkret: Ab sofort werden Harnwegsinfektionen in „lokalisiert“ und „systemisch“ eingeteilt. Erstere umfassen Zystitiden ohne systemische Symptome, die in der Regel ambulant behandelt werden können, umfasst. Harnwegsinfektionen, die mit Fieber, Schüttelfrost oder Anzeichen einer Sepsis einhergehen, sowie Infekte, die eine intensivere Diagnostik und gegebenenfalls eine stationäre, intravenöse Therapie erfordern, gelten von nun an als „systemisch“.

Die Risikofaktoren sollten aber klar vom Infektionstyp getrennt betrachtet werden. Die neue Klassifikation dient zur schnelleren und präziseren Einschätzung von Blasenentzündungen. So können auch Über- oder Unterbehandlungen reduziert und die Versorgung der Patientinnen und Patienten optimiert werden.

Typische Symptome

Die Diagnose einer Harnwegsinfektion wird primär über die geschilderten Symptome von Patienten gestellt. Typische Beschwerden sind:

  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • häufiger Harndrang
  • nächtlicher Harndrang
  • vorhandene oder verstärkte Inkontinenz
  • Blut im Urin
  • Trübung des Urins
  • auffälliger Geruch des Urins
  • Fieber/Schüttelfrost
  • allgemeines Krankheitsgefühl