Studie

Glucosamin erhöht Demenzrisiko 17.07.2026 09:02 Uhr

Berlin - 

Ein Team der Universität Florida hat die Wirkung von Glucosamin auf das Gedächtnis untersucht. Konkret wurden dafür Gesundheitsdaten aus den Jahren 2012 bis 2024 von Patient:innen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder einer beginnenden Demenzerkrankung analysiert. Das Ergebnis: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Glucosamin und Demenz. 

 

Glucosamin ist ein Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit und kommt im menschlichen Körper natürlich vor. Für Nahrungsergänzungsmittel wird oftmals die Verbindung Glucosaminsulfat verwendet. Die Gewinnung erfolgt in der Regel aus Krebstieren. Der Aminozucker wird als Arzneimittel zur Linderung von Symptomen bei leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenks eingesetzt und ist auch Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. Laut Fachinformation werden der endogenen Substanz stimulierende Eigenschaften auf die Synthese physiologischer Glycosaminoglykane und Proteoglykane durch Chondrozyten und von Hyaluronsäure durch Synoviozyten zugesprochen. Dies belegen sowohl In-vivo- als auch In-vitro-Studien. Allerdings ist der genaue Wirkmechanismus beim Menschen bislang noch unbekannt.

Forschende haben den Zusammenhang zwischen Glucosamin und Demenz untersucht. Dabei zeigte sich bei der Einnahme von Glucosamin durch Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen ein um bis zu 25 Prozent erhöhtes Risiko, Demenz zu entwickeln. Personen, die bereits an Demenz erkrankt waren, zeigten unter Glucosamin wiederum ein 25 Prozent höheres Sterberisiko.

Forschende sehen Zusammenhang

Für die Forschenden ist somit ein Zusammenhang zwischen Glucosamin und Demenz nachgewiesen. Den Grund dafür führen sie auf einen Stoffwechselweg zurück, bei dem Eiweiße mit Zuckerstrukturen versehen werden (= Glykosylierung). Der Zusatz von Glucosamin könnte das Anheften von Zuckerresten zusätzlich verstärken und so den bei Demenz ohnehin überaktiven Prozess weiter anfeuern.

Ob die Einnahme tatsächlich die Ursache für ein schnelleres Fortschreiten der Erkrankung ist, wurde damit jedoch noch nicht belegt. Dafür brauche es klinische Studien mit menschlichen Patient:innen. Dennoch sollten Betroffene mit kognitiven Beeinträchtigungen Glucosamin am besten nur nach Arztrücksprache einnehmen.

Glucosamin und Chondroitin stehen für „Knorpelbausteine“ und „gesunde Gelenke“. Kein Wunder also, dass Kund:innen auf entsprechende Nahrungsergänzungsmittel zur Erhaltung der Beweglichkeit der Gelenke und gegen den „Verschleiß“ setzen. Dabei gibt es aus Sicht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit keinen wissenschaftlichen Beleg für eine präventive, struktur- und funktionserhaltende Wirkung von glucosaminhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln auf die Gelenke oder Knorpel von gesunden Menschen. Laut Verbraucherzentrale ist die gesundheitsbezogene Werbung – „gesunde Gelenke“, „für die Beweglichkeit“ und „für die Knorpelbildung“ – seit 2012 nicht mehr erlaubt. Nicht nur das: Die Präparate können auch Wechselwirkungen eingehen.