Studie

Glaukome unter Tadalafil 20.08.2026 11:15 Uhr

Berlin - 

PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil kommen unter anderem bei erektiler Dysfunktion zum Einsatz. Eine Studie zeigt, dass eine Daueranwendung Folgen für die Augengesundheit haben kann, denn Tadalafil kann die Entstehung von Glaukomen begünstigen.

Ein Forscherteam aus Taiwan hat die Auswirkungen einer fünfjährigen Anwendung von Tadalafil untersucht. Dafür wurden Daten von knapp 74.000 Männern im Alter ab 40 Jahren berücksichtigt, von denen jeweils rund die Hälfte über einen Zeitraum von fünf Jahren mit Taladafil oder einem anderem PDE5-Hemmer aufrund von erektiler Dysfunktion behandelt wurde. In welcher Dosis ist der Studie nicht zu entnehmen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin British Journal of Ophthalmology veröffentlicht. Unter der Daueranwendung von Tadalafil stieg das Risiko für Glaukome um bis zu 22 Prozent. Auch Fälle von okulärer Hypertension, einem primären Offenwinkelglaukom oder der Beginn einer Glaukombehandlung wurden um jeweils rund 33 Prozent häufiger berichtet als ohne das Medikament.

Zwar würden die Ergebnisse den Forschenden zufolge keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang belegen und sollten somit nicht als Kontraindikation für Tadalafil verstanden werden. Dennoch mahnt das Team zur Vorsicht und einer engmaschigen Kontrolle der Augengesundheit unter der Behandlung. Dies gilt insbesondere für Patient:innen mit Glaukom-Risikofaktoren wie familiärer Vorbelastung oder bereits bestehendem erhöhtem Augeninnendruck. „Die Ergebnisse legen nahe, dass eine chronische PDE5-Hemmung die Physiologie des Auges beeinflussen könnte, was weitere mechanistische Untersuchungen erforderlich macht“, so das Fazit.

Tadalafil gehört zu den starken, selektiven Phosphodiesterase-5-Hemmern. Durch die PDE5-Hemmung wird der Abbau von zyklischem Guanosinmonophosphat – cGMP – verhindert, was zu einem erhöhten cGMP-Spiegel führt. Die Folge: Die glatte Muskulatur entspannt sich und Blut kann leichter fließen. Der Wirkstoff kommt unter anderem zur Behandlung der erektilen Dysfunktion sowie des benignes Prostatasyndroms zum Einsatz. Doch auch bei einer pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) kann Tadalafil eingesetzt werden.

Der Wirkstoff besitzt eine mittlere Halbwertszeit von 17,5 Stunden und erreicht bereits nach zwei Stunden die maximale Plasmakonzentration. Somit ergibt sich eine Wirksamkeit von ein bis drei Tagen. Abstand zu einer fettreichen Mahlzeit oder Alkohol muss – anders als bei Sildenafil – nicht eingehalten werden. Dennoch gilt unter der Anwendung Vorsicht. Genau kann bei einer Daueranwendung von Tadalafil das Risiko für Glaukome steigen.