Gefährlicher Lifestyle-Trend: BfArM warnt vor Drip Spa 13.05.2026 08:29 Uhr
Drip-Spa und Longevity-Infusionen sind im Trend. Doch ungefährlich sind die Infusionslösungen mit hochdosierten Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Substanzen nicht, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt.
Drip Spas sollen beispielsweise das Immunsystem stärken oder für strahlende Haut sorgen. Möglich machen soll dies eine intravenöse Vitamintherapie (IVVT), über die Vitamine und Mineralstoffe verabreicht werden. Der Cocktail wird per Tropf (Drip) appliziert. Spa steht in dem Zusammenhang für Wellness.
Doch die Behandlungen stehen in keinem Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung und können auch von nicht medizinischem Personal durchgeführt werden. Zudem warnt das BfArM vor gesundheitlichen Risiken. Denn: Arzneimittel zur Infusion unterliegen in Deutschland einem strengen behördlichen Zulassungsverfahren. Sie dürfen nur in Verkehr gebracht werden, wenn Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität nachgewiesen und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt wird.
Kein Nachweis für Wirksamkeit und Unbedenklichkeit
„Dieser behördliche Nachweis ist bei Drip-Spas nicht erbracht“, mahnt das BfArM. „Diese Infusionslösungen sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Drip-Spas werden u.a. mit der Stärkung des Immunsystems, der Verbesserung des Aussehens, der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens sowie der Unterstützung der Leberfunktion beworben.“ Qualität und Sicherheit der Produkte sind im Sinne des Arzneimittelgesetzes nicht belegt.
Risiko Hypervitaminose
Vor allem bei vulnerablen Personengruppen sei das Risiko von Hypervitaminosen (Überdosierung von Vitaminen), Hyperhydration (Volumenüberladung) und Störungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt erhöht. Zusätzlich bestehe das Risiko allergischer Reaktionen auf die nicht immer deklarierten verabreichten Substanzen, die in schweren Fällen auch zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Außerdem kann – wie bei allen Infusionen – eine unsachgemäße Handhabung zu einem Austritt der Infusionslösung ins Gewebe, Luftembolien und Kreislaufproblemen durch zu schnelle Flüssigkeitszufuhr führen.
Auch AOK warnt
Und auch die AOK warnt vor Drip-Spas und damit verbundenen möglichen Überdosierungen. Hier einige Beispiele, die die Kasse aufführt:
- Vitamin C: Über das Drip-Spa wird dem Körper eine Überdosis Vitamin C zugeführt. In der Folge produziert der Körper mehr Oxalate, die in hoher Konzentration giftig sind und eine antinutritive Eigenschaft besitzen. Somit kann der Körper beispielsweise weniger Calcium, Eisen und Magnesium aufnehmen. Außerdem wird durch Oxalat das Risiko für Nierensteine erhöht.
- Elektrolyte: Eine Überdosierung von Kalium, kann beispielsweise zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen.
- Natrium: Infolge des Drip-Spas wird der Natriumspiegel manipuliert, was eine Hirnhernie oder einen Schlaganfall zur Folge haben kann.
- Magnesium: Eine schnelle Ansammlung von Magnesium kann beispielsweise mit Verwirrung, prickelnden Schmerzen und Muskelschwäche verbunden sein.
- Vitamin A: Eine Überdosierung kann zu Sehstörungen führen.
Aber nicht nur eine Überdosierung der Vitamine und Mineralstoffe selbst kann mit Risiken verbunden sein. Es besteht laut AOK zudem ein erhöhtes Risiko einer Hyperhydration – übermäßige Flüssigkeitszufuhr –, die zu Blutdruckanstieg, Gewichtszunahme oder einer Wasservergiftung führen kann.
Das Fazit der Kasse: „Gesunde Menschen, die sich ausgewogen ernähren, müssen sich keine zusätzlichen Nährstoffe zuführen – weder über Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform noch über Injektionen.“ Zudem rät die AOK „dringend davon ab, sich ohne fundierte ärztliche Beratung und Überwachung Infusionen in Drip Bars verabreichen zu lassen“.