Therapieresistente Depression

FDA: Zulassungsempfehlung für nasales Esketamin APOTHEKE ADHOC, 18.02.2019 14:10 Uhr

  • Vom Narkosemittel zum Antidepressivum: In den USA wurde einem Esketamin-Nasenspray die Zulassungsempfehlung erteilt. Grafik: Jü/Wikipedia CC BY SA 4.0

Berlin - In den USA leben mehr als zwei Millionen Menschen mit einer therapieresistenten Depression. Weltweit sollen es mehr als 300 Millionen Betroffene sein. Bald könnte in den USA eine neue Therapieoption zur Verfügung stehen. Das Psychopharmacologic Drug Advisory Committee (PDAC) und das Drug Safety and Risk Management Advisory Committee (DSRM) der US-Arzneimittelagentur FDA haben dem Esketamin-Nasenspray Spravato die Zulassungsempfehlung ausgesprochen. Janssen hatte im September den Zulassungsantrag gestellt.

Die Zulassungsempfehlung für das (S)-Enatiomer von Ketamin erfolgte mehrstimmig – 14 Ja-Stimmen, zweimal Nein und eine Stimmenthaltung sind das Ergebnis. Die endgültige Entscheidung der FDA wird im März erwartet. Esketamin könnte also in den USA zur Therapie der behandlungsresistenten Depression eine Zulassung erhalten. Somit könnte das Nasenspray bei Patienten eingesetzt werden, die zuvor auf die Behandlung mit zwei verschiedenen Antidepressiva nicht ausreichend angesprochen haben. Bei positivem Votum würde erstmals seit 30 Jahren für die Betroffenen eine neue Therapieoption mit neuem Wirkmechanismus zur Verfügung stehen.

Die Entscheidung der FDA-Ausschüsse ist auf die Daten von fünf Phase-III-Studien (drei Kurzzeitstudien über vier Wochen, eine Studie zum anhaltenden Effekt und eine Langzeitstudie über einen Zeitraum von 52 Wochen an Patienten mit behandlungsresistenter Depression) zu Wirksamkeit und Sicherheit von Spravato zurückzuführen. Unterstützend können Daten aus drei Phase-II-Studien und 19 Phase-I-Studien an Patienten der Indikationsgruppe und gesunden Teilnehmern vorgelegt werden. „Unser umfassendes Forschungsprogramm für Esketamin-Nasenspray unterstützt ein positives Nutzen-Risiko-Profil für Erwachsene mit behandlungsresistenter Depression“, sagt Dr. Husseini K. Manji von Janssen Research & Development.

Die Daten der Kurz- sowie Langzeitstudien zeigen für die Kombination aus Esketamin-Nasenspray plus neuem oralem Antidepressivum im Vergleich zu Placebo plus neu initiierter oraler antidepressiven Behandlung eine statistisch signifikante, klinisch bedeutsame, schnelle und anhaltende Besserung der depressiven Symptome bei den behandlungsresistenten Probanden. Unterschiede in puncto Sicherheit zwischen Langzeit- und Kurzzeitstudie gab es nicht. Die Abbruchrate aufgrund von unerwünschten Ketamin-Wirkungen war gering. Wenn die Therapie beendet wurde, dann typischerweise in den ersten Wochen der Behandlung. Zu den dokumentierten Nebenwirkungen zählen unter anderem Benommenheit, Schwindel, Bluthochdruck oder Sedierung kurz nach der Anwendung des Nasensprays. Im Laufe des Tages verschwanden die unerwünschten Wirkungen wieder.

Laut Janssen soll das Nasenspray in Kombination mit einem oralen Antidepressivum verabreicht werden. Zu Therapiebeginn soll das Spray über einen Zeitraum von vier Wochen zweimal wöchentlich appliziert werden. Zur Dosiserhaltung wird eine wöchentliche beziehungsweise zweiwöchentliche Anwendung empfohlen. Die Dosierung ist flexibel und kann bei einer Anfangsdosis von 56 mg liegen, Patienten älter als 65 Jahre sollen mit 28 mg beginnen. Die Folgedosen können 56 oder 84 mg betragen.

Ketamin ist aus der Anästhesie und Notfallmedizin bekannt, der Wirkstoff wird als Narkose- und Schmerzmittel eingesetzt. Zudem wird es in der Behandlung des therapieresistenten Status asthmaticus verwendet. Forscher untersuchen seit einigen Jahren die Wirksamkeit der Substanz bei depressiven Störungen als schnellwirksame Alternative zu den gängigen Antidepressiva. Der Glutamat-Rezeptor-Modulator soll die synaptischen Verbindungen bei Patienten mit schwerer Depression wiederherstellen. Dabei wird angenommen, dass Esketamin einen neuartigen Wirkmechanismus verfolgt als die bislang verfügbaren Therapieoptionen.

Für die schnelle antidepressive Wirkung wird der Metabolit Hydroxynorketamin (HNK) verantwortlich gemacht. HNK produzierte in präklinischen Untersuchungen keine Rauschzustände und verursachte keine Sucht. Im Gegensatz zur anästhetischen Wirkung, bei der der NMDA-Rezeptor beteiligt ist, spielt bei der antidepressiven Wirkung der AMPA-Rezeptor eine Rolle. Somit bleiben die typischen Ketamin-Nebenwirkungen aus. Esketamin bekam vor einigen Jahren von der FDA den Status „Break Through Therapy“ zuerkannt. Dieser Status ermöglicht es, den Zulassungsprozess des Medikamentes zu beschleunigen, so dass es schneller eine Marktzulassung bekommen kann.