Streit um Fampridin-Generika

Fampyra: MS-Patienten müssen für Patentstreit zahlen 19.05.2026 10:26 Uhr

Berlin - 

Merz konnte den Patentstreit bei Fampyra (Fampridin) für sich entscheiden und den Patentschutz bis 25. Juli sichern. Eine teure Entscheidung für die Patient:innen, denn die müssen die Festbetragsaufzahlung aus eigener Tasche leisten.

Mitte März hat der Bundegerichtshof (BGH) das Patent retardierter 4‑Aminopyridin‑Formulierungen (Fampridin‑SR) zur Steigerung der Gehgeschwindigkeit bei Patient:innen mit Multipler Sklerose (MS) bestätigt und hob damit frühere Entscheidungen des Bundespatentgerichts auf.

MS ist eine degenerative und entzündliche neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem beeinträchtigt. Die Erkrankung geht mit einer Demyelinisierung von Nervenfasern einher. Dies führt zu einer Verlangsamung oder Blockade der Übertragung von Impulsen entlang der Fasern. Kaliumkanalblocker wie 4-Aminopyridin (Fampridin) können die Leitung von Nervenimpulsen verbessern. Eine intravenöse sowie orale Gabe des Arzneistoffs gehen mit einer schnellen Freisetzung und kurzer Halbwertzeit einher. Hier kommt die retardierte Formulierung ins Spiel. Der BGH bestätigte die Patentfähigkeit von Fampridin SR – 10 mg zweimal täglich – zur Verbesserung der Gehgeschwindigkeit bei MS-Patient:innen.

Aufgrund einer einstweiligen Verfügung der 7. Zivilkammer des Landgerichts München I wurden alle 4-Aminopyridin-Generika mit verlängerter Freisetzung, die zur Verbesserung der Gehgeschwindigkeit bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose eingesetzt und zweimal täglich in einer Dosierung von jeweils 10 mg 4-Aminopyridin angewendet werden, zurückgerufen.

Damit ist nur noch das Original Fampyra auf dem Markt erhältlich. Patient:innen müssen entsprechend wechseln und werden zur Kasse gebeten. Der Festbetrag liegt bei 68,95 Euro für die Packung für zwei Wochen. Weil alle Generika vom Markt genommen wurden, kann nur noch oberhalb des Festbetrages versorgt werden. Die Mehrkosten für Fampyra betragen für die Packung zu 28 Stück 40,41 Euro. Für die Vier-Wochen-Packung zu 56 Stück fallen Mehrkosten in Höhe von 72,55 Euro an – zuzüglich 10 Euro Zuzahlung. Alternativen gibt es nicht und die Kassen müssen die Festbetragsaufzahlung nicht übernehmen.

Generika dürfen erst wieder mit Ablauf des Patentschutzes auf den Markt kommen. Für Fampridin Basics 10 mg Retardtabletten ist beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine voraussichtliche Lieferfähigkeit ab 1. August gemeldet.