Projekt in Hessen

Datenanalyse soll Grippe-Ausbrüche vorhersagen 22.07.2026 14:58 Uhr

Darmstadt - 

Eine systematische Auswertung von Daten zu Krankheitsausbrüchen soll Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und Medizinern in Hessen helfen, früh richtig zu reagieren. Koordiniert wird das Projekt vom Landesamt für Gesundheit und Pflege, wie das Amt mitteilte. Auch die Universitätsmedizin Frankfurt ist beteiligt. Es geht um die Prognose saisonaler Atemwegserkrankungen wie etwa Grippe, RSV und Covid-19.

Herangezogen werden sollen Daten aus unterschiedlichen Quellen, etwa zu gemeldeten Infektionen und aus dem epidemiologischen Überwachungssystem Sentinel-Surveillance, das stichprobenartig Daten zu bestimmten Krankheiten oder Gesundheitsereignissen in Hessen sammelt.

Prognose bis 21 Tage in die Zukunft

Daraus soll berechnet werden, wie sich die Infektionszahlen bis 21 Tage in die Zukunft entwickeln. Auch Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) sollen verwendet werden, ebenso wie Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Die Informationen sollen den Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und niedergelassene Ärztinnen und Ärzten in einem Dashboard zur Verfügung gestellt werden.

Frühe Reaktion möglich

„Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig belastbare Daten, klare Lagebilder und vorausschauende Planung für das Gesundheitssystem sind. Wir haben erlebt, dass verspätete oder unvollständige Informationen zu Überlastungen, Engpässen und Verunsicherung in der Bevölkerung führen können. Ein Tool, das saisonale Krankheitsausbrüche systematisch erfasst und auswertet, stärkt unsere Fähigkeit, früh zu reagieren, Ressourcen gezielt einzusetzen und damit Versorgungsstrukturen leistungsfähig zu erhalten. Damit setzen wir eine zentrale Lehre aus der Pandemie um: Gute Daten sind der Schlüssel zu guten Entscheidungen – und damit zu mehr Gesundheitsschutz für alle“, sagte die Präsidentin des Landesamts, Regine Bresler.

Professor Dr. Holger Storf, Direktor des Instituts für Medizininformatik und wissenschaftlicher Leiter des Datenintegrationszentrums (DIZ) der Universitätsmedizin Frankfurt, ergänzte: „Durch die intelligente Verknüpfung verschiedener Datenquellen schaffen wir die Grundlage für belastbare Prognosen und eine vorausschauende Planung im Gesundheitswesen. Dabei gewinnen wir neue Erkenntnisse darüber, wie unterschiedliche Gesundheitsdaten wissenschaftlich fundiert zusammengeführt und für praktische Entscheidungen nutzbar gemacht werden können.“

Eine erste Projektphase von „ProSReMod 2.0“ (kurz für: „Prospektive Steuerung regionaler Ressourcen auf Basis algorithmischer Modellierungen im Falle saisonaler Krankheitsausbrüche 2.0“) läuft bis Ende Dezember dieses Jahres. Bis dahin sollen die Daten geprüft und die technischen Grundlagen geschaffen werden. Workshops mit den Gesundheitsämtern sollen durchgeführt und erste Testzugänge angelegt werden. „Live gehen soll das Tool dann spätestens im ersten Halbjahr 2027“, hieß es in der Mitteilung.