SARS CoV-2

Covid-19: Kinder oft symptomlose Überträger Alexandra Negt, 11.03.2020 11:48 Uhr

  • Bei Kindern verläuft eine Infektion mit SARS-CoV-2 meist harmlos. Zum Teil weisen sie nicht einmal Symptome auf – damit können sie zum „unsichtbaren“ Überträger werden.
Berlin -

Von den zahlreichen Corona-Infizierten sind die meisten erwachsen. Bei den schweren Verläufen sind die Erkrankten meist im höheren Lebensalter. Zunächst dachte man, dass Kinder sich seltener mit SARS-CoV-2 infizieren – diese Annahme konnte nun durch die Analyse von Patientendaten aus der südostchinesischen Metropole Shenzhen widerlegt werden: Kinder stecken sich genauso häufig mit dem Erreger an wie Erwachsene, sie entwickeln nur keine oder lediglich leichte Symptome.

Die Analyse zeigt zum ersten Mal erweiterte Erkenntnisse, da die erhobenen Daten sich nicht nur auf Erkrankte beziehen, sondern auch auf Personen im Umfeld von Infizierten. Die Forscher untersuchten 391 an Covid-19 erkrankte Patienten. Der Altersdurchschnitt lag bei 45 Jahren und somit leicht über dem lokalen Gesamtdurchschnitt. Es waren mehr Frauen als Männer infiziert. 91 Prozent der Infizierten hatten lediglich leichte oder mäßige Symptome. Im Durchschnitt galten die Erkrankten nach 32 Tagen als genesen.

Später wurden insgesamt 1286 Menschen untersucht, die Kontakt zu einem der 391 Infizierten hatten. Es wurde auf SARS-CoV-2 getestet. Durchschnittlich steckten sich 8 Prozent der Kontaktpersonen an – von den 1286 Menschen wurden über 100 Personen positiv getestet. Innerhalb dieser Gruppe waren alle Altersstufen gleichermaßen vertreten. „Kinder werden genauso wahrscheinlich infiziert, aber sie werden nicht krank", so Justin Lessler, einer der Studienautoren, von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore.

Lebt ein an Covid-19-Erkrankter zusammen mit Gesunden in einem Haushalt, so steigert sich das Ansteckungsrisiko für die nicht infizierten Mitbewohner um das sechsfache. Familien und Wohngemeinschaften, die eine Infektionsbestätigung erhalten, sollten deshalb besonders auf Hygiene achten: Jedes Haushaltsmitglied sollte im Bad und in der Küche eigene Handtücher benutzen. Nach dem Toilettengang sollte auf besondere Reinlichkeit Wert gelegt werden – ähnlich zum Vorgehen bei einer Salmonellen-Infektion. Wenn möglich, sollte der Infizierte in einem getrennten Raum alleine schlafen und weitestgehend nicht am Alltag der restlichen Bewohner teilnehmen.

Frühere Studien konnten noch keinen Aufschluss darüber geben, ob Kinder sich seltener anstecken, oder der Organismus einfach besser mit der Virusinfektion umgehen kann. Durch die Analyse konnte nun gezeigt werden, dass das Infektionsrisiko, unabhängig vom Alter, gleich hoch ist. Über die Dauer der Infektiosität ist momentan wenig bekannt.

Unter den ersten tausend Fällen in China waren die meisten Erkrankten erwachsen, nur neun Infizierte waren unter 15-Jahre. Nur bei einem dieser Personen kam es zu einem schwereren Krankheitsverlauf. Das heißt, dass unter 1 Prozent der Infizierten unter 15 Jahre alt waren. Im Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt es, dass die Krankheit bei Kindern relativ selten schwere Verläufe annimmt, zumeist weisen Kinder nur leichte, oder gar keine Symptome auf. Die meisten Infektionen bei Kindern wurden nur entdeckt, weil ein Familienmitglied erkrankt war und die Kinder routinemäßig mitgetestet wurden.

In einer kleinen Studie mit 17 Patienten wurde die Ausscheidungsdynamik in den oberen Atemwegen untersucht. Mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) konnte die -VirusRNA nachgewiesen werden. Ein Nachweis dieses genetischen Bestandteils war etwa bis zum Tag 7 bis 9 nach Erkrankungsbeginn möglich. Es wurde nicht untersucht, ob vermehrungsfähige Viren gefunden werden können.