Ciprofloxacin

Chloroquin erzeugt Antibiotika-Resistenz dpa, 16.07.2008 10:57 Uhr

San Francisco - 

Die Einnahme des Malaria-Mittels Chloroquin ruft womöglich Resistenzen bei Bakterien gegen das Antibiotikum Ciprofloxacin hervor. Dies schreiben kanadische Wissenschaftler im Journal „PloS One“, nachdem sie resistente Darmbakterien bei den Bewohnern abgelegener südamerikanischer Dörfer gefunden hatten, die niemals Antibiotika, wohl aber das Malaria-Medikament eingenommen hatten.

Dr. Michael Silverman von der Universität Toronto und seine Mitarbeiter hatten bei mehr als 5 Prozent der untersuchten Ureinwohner Escherichia coli- Darmbakterien gefunden, die gegen das Antibiotikum Ciprofloxacin resistent waren. Dies sei erstaunlich, da keiner der Befragten jemals Ciprofloxacin oder ein anderes Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone eingenommen habe, berichten die Forscher. Vor allem die hohe Rate der Resistenzen überraschte die Wissenschaftler. Auf Intensivstationen in US-amerikanischen Krankenhäusern, wo Ciprofloxacin häufig angewendet wird, fänden sich einer aktuellen Untersuchung zufolge gerade einmal bei vier Prozent der Patienten resistente Bakterien.

Der Verdacht, dass die Resistenzen durch die Einnahme des Malaria-Medikaments Chloroquin hervorgerufen werden, erhärtete sich durch mehrere Beobachtungen: Zunächst einmal sei das Mittel chemisch mit den Fluorchinolon-Antibiotika verwandt, schreiben die Forscher. Bis zu 86 Prozent der Ureinwohner hatten das Malaria-Mittel zudem während, beziehungsweise nach einem schweren Malaria-Ausbruch 2002 eingenommen. Im Labor konnten die Forscher schließlich auch bestätigen, dass E. coli-Bakterien Resistenzen gegen Fluorchinolon entwickeln, wenn sie dem Malaria-Mittel ausgesetzt werden.

Die Forscher fürchten, dass die Resistenzen nicht nur unter den Darmbakterien, sondern auch in anderen Bakterien auftreten können. „Das würde bedeuten, dass das Malaria-Mittel Chloroquin die Fluorchinolone weniger wirkungsvoll gegen verbreitete tropische Krankheiten wie Typhus, Durchfallerkrankungen und möglicherweise auch Tuberkulose und Lungenentzündungen machen würde“, sagte Silverman.