Antiepileptika

Briviact verschwindet aus Deutschland Nadine Tröbitscher, 04.11.2016 12:30 Uhr

Berlin - 

UCB nimmt sein Antiepileptikum Briviact (Brivaracetam) außer Vertrieb. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte im August keinen Zusatznutzen festgestellt. Der belgische Hersteller zieht daher sein Arzneimittel nach nur neun Monaten zurück, hofft aber auf einen positiven Ausgang der Preisverhandlungen.

Briviact war seit Februar auf dem Markt; der G-BA bemängelte die vom Hersteller eingereichten Studien. Schon im Mai war der Wirkstoff bei der Bewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) durchgefallen.

Der indirekte Vergleich der 15 vorgelegten Untersuchungen bezog sich lediglich auf die Wirkstoffe Eslicarbazepin und Lacosamid. UCB ging nicht auf die vom G-BA geforderten zehn Wirkstoffe ein, die zur Zusatztherapie eingesetzt werden, und kassierte eine Ablehnung.

Bei UCB sieht man die Entscheidung für den Rückzug vom deutschen Markt als eine „Vorsichtsmaßnahme“: Denn noch führt der Konzern Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband. Trotz der negativen Bewertung sei man zuversichtlich, „die Preisverhandlung erfolgreich zu führen und Briviact für Epilepsiepatienten in Deutschland auch weiterhin verfügbar zu halten“. Die Apotheken können weiterhin normal beim Großhandel bestellen, solange dort Ware vorrätig ist. UCB geht davon aus, dass die Bestände bis zum Ende der Preisverhandlung im Frühjahr 2017 ausreichen und dass Patienten somit weiterhin versorgt werden können

Sollten die Preisverhandlungen scheitern, wäre UCB gut vorbereitet und könnte das Produkt ganz vom deutschen Markt nehmen, da ein Arzneimittel ein halbes Jahr außer Vertrieb sein muss bevor es außer Handel gehen darf. Einigt man sich preislich, kann das „außer Vertrieb“ wieder zurückgenommen werden.

Brivaracetam wird zur Zusatzbehandlung fokaler Epilepsieanfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren eingesetzt. Fokale Anfälle beginnen auf einer Hirnseite und können sich dann auf beide Seiten ausbreiten. Der Wirkstoff galt als Nachfolger für Levetircetam, da in beiden Fällen eine Bindung an das synaptische Vesikelprotein 2A erfolgt, wobei Brivaracetam mit höherer Affinität bindet.

Der Wirkstoff war in verschieden Stärken und Darreichungsformen auf dem Markt, um eine individuelle Dosierung zu gewährleisten: Tabletten, Lösung zum Einnehmen sowie Injektionslösung.

Zur Zusatzbehandlung fokaler Anfälle kommen die Wirkstoffe Eslicarbazepin, Gabapentin, Lacosamid, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat oder Valproinsäure in Betracht. Die Wahl des Wirkstoffes durch den Arzt erfolgt in Abhängigkeit der Basis- und Vortherapien.