Verfälschte Labortests

Biotin: BfR fordert Warnhinweis 24.05.2026 09:06 Uhr

Berlin - 

Für das wasserlösliche B-Vitamin Biotin wurden bislang keine nachteiligen Effekte beobachtet – auch nicht, wenn oberhalb des empfohlenen Referenzwertes dosiert wird. Weil aber Labortests durch eine Supplementation verfälscht werden können, sollte auf Biotin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln grundsätzlich ein entsprechender Hinweis aufgebracht werden, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Biotin oder auch Vitamin H oder Vitamin B7 ist ein Coenzym und unter anderem am Energie-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel (Glukosebildung) beteiligt. Außerdem spielt die Verbindung beim Auf- und Abbau bestimmter Fettsäuren und einiger Aminosäuren (Leucin, Isoleucin, Valin, Methionin und Threonin) eine Rolle und ist als Schönheitsvitamin für Haut, Haare und Nägel bekannt.

Eine Supplementation ist hierzulande nicht nötig. „Die Bevölkerung in Deutschland ist jedoch über die Ernährung ausreichend mit Biotin versorgt, sodass eine ergänzende Einnahme über Nahrungsergänzungsmittel nicht notwendig ist“, heißt es vom BfR. Gute Biotin-Lieferanten sind Leber und Niere, Nüsse und Sonnenblumenkerne sowie (gekochte) Eier, Sojabohnen, Haferflocken und Pilze, aber auch Milch und Milchprodukte.

Der Referenzwert für Biotin für Jugendliche und Erwachsene liegt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei 40 µg täglich. Während Schwangere keinen erhöhten Bedarf haben, werden Stillenden 45 µg Biotin pro Tag empfohlen.

Keine Gefahr

Wenn Biotin supplementiert wird, besteht keine Gefahr. „Eine zusätzliche Biotin-Einnahme ist selbst in Mengen weit oberhalb des Zufuhrreferenzwerts gesundheitlich unbedenklich“, so das BfR. Daher wird auf eine Empfehlung für Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln verzichtet.

Verfälschte Labortests

Bekannt ist laut BfR aber, dass die Einnahme von hochdosierten Biotin-haltigen Supplementen (ab 150 µg pro Tagesdosis) zu Verfälschungen von Labortests und damit zu Problemen bei der medizinischen Diagnostik von beispielsweise Herzinfarkten oder bei der Interpretation von Schilddrüsenwerten führen kann. Zudem haben auch Personen mit einer chronischen Nierenerkrankung, die erhöhte Biotinkonzentrationen im Blut aufweisen, ein erhöhtes Risiko für verfälschte Labortests.

Daher empfiehlt das BfR, auf Biotin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln einen Hinweis anzubringen, dass Personen vor notwendigen Laboruntersuchungen ihren Arzt/ihre Ärztin oder das Laborpersonal über die Einnahme von Biotin informieren sollten.

Biotin und L-Thyroxin

Die Einnahme von Biotin kann fälschlicherweise erhöhte oder erniedrigte Ergebnisse verursachen, wenn Immunoassays zum Einsatz kommen, die auf einer Interaktion zwischen Biotin und Streptavidin basieren.

Streptavidin besitzt eine hohe Bindungsaffinität zu Vitamin H. So kann jede der vier Streptavidin-Untereinheiten ein Biotin-Molekül fest an sich binden. In Abhängigkeit von der Untersuchungsmethode sind falsch erniedrigte oder falsch erhöhte Untersuchungsergebnisse möglich. So können beispielsweise Ergebnisse von Schilddrüsenuntersuchungen, die scheinbar auf Morbus Basedow hinweisen, bei asymptomatischen Patient:innen auftreten, die Biotin einnehmen. Möglich sind aber auch falsch negative Troponintestergebnisse bei Patient:innen mit Herzinfarkt, die das B-Vitamin substituieren.

Das Risiko verfälschter Ergebnisse steigt mit der Dosis von Biotin. Werden die verfälschten Testergebnisse beispielsweise zur Anpassung der L-Thyroxin-Dosis verwendet, könne eine unangemessene Patientenbehandlung die Folge sein. Daher wurden für L-Thyroxin-haltige Arzneimittel Änderungen der Produktinformation in puncto Biotin umgesetzt:

  • Patient:innen sollen vor einem Schilddüsenfunktionstests nach der Einnahme von Biotin gefragt werden.
  • Patient:innen sollten Ärzt:innen oder Laborpersonal über die Einnahme von Biotin informieren.
  • Bei der Interpretation der Testergebnisse sollte eine mögliche Interferenz mit Biotin bedacht werden.
  • Nehmen die Patient:innen Biotin ein, sollte das Labor darüber informiert werden und gegebenenfalls ein alternativer Test zur Bestimmung des Schilddrüsenstatus zum Einsatz kommen.