Bei Depressionen: Risiko für Infektionen deutlich erhöht 29.01.2026 12:58 Uhr
Leiden Jugendliche oder junge Erwachsene unter einer therapieresistenten Depression, ist das Risiko für schwere bakterielle Infektionen erhöht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Kohortenstudie.
Major-Depressionen (Major Depressive Disorder, MDD) sind bei Jugendlichen weit verbreitet. Etwa 4 bis 6 Prozent der Heranwachsenden leidet unter der psychiatrischen Erkrankung, die sich mit Symptomen wie starker Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Rückzug bemerkbar macht.
Erhöhtes Risiko
Betroffene leiden nicht nur unter erheblichen psychosozialen Folgen, sondern auch unter einem erhöhten Risiko körperlicher Erkrankungen. Das gilt insbesondere dann, wenn depressive Episoden nicht auf eine leitliniengerechte Therapie ansprechen. Die therapieresistenten Depressionen (TRD) im Jugendalter können für schwere und länger andauernde Krankheitsverläufe verantwortlich sein, die häufigere Hospitalisierungen und ausgeprägte Komorbiditäten auslösen.
Parallel dazu sind Infektionskrankheiten weiterhin eine wesentliche Ursache für Morbidität und Mortalität im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Schwere bakterielle Infektionen (SBI) und Septikämien sind zwar selten, gehen jedoch mit erheblichen Komplikationen und einer relevanten Letalität einher.
Infektanfälligkeit erhöht
Es ist zwar bekannt, dass Depressionen die Infektanfälligkeit erhöhen, jedoch wurde bisher noch nicht speziell untersucht, wie sich dies bei Jugendlichen mit TRD verhält. Forschende fokussierten diesen Aspekt in der Auswertung einer retrospektiven Kohortenanalyse aus den Jahren 2001 bis 2011. Analysiert wurden Daten von Jugendlichen mit MDD-Diagnosen im Alter von 12 bis 19 Jahren, sowie junge MDD-diagnostizierte Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren von der taiwanischen National Health Insurance Research Database (NHIRD). Beide Gruppen hatten keine vorherige schwere Infektion.
Insgesamt wurden 6958 TRD-Fälle und 27.832 reaktive Depressions-Fälle analysiert und ebenso viele gematchte Kontrollen ohne MDD analysiert. Die TRD wurde definiert durch mindestens zwei Therapieumstellungen innerhalb eines Jahres, und die reaktive Depression durch eine stabile Behandlung mit einem einzelnen Antidepressivum.
Risiko vier- bis siebenfach erhöht
Die Studienergebnisse zeigen: Selbst wenn eine Depression erfolgreich behandelt wird, ist das Risiko für schwere Infektionen fast viermal so hoch wie bei Gesunden. Wenn die Therapie jedoch nicht wirkt (TRD), schießt das Risiko auf das Siebenfache hoch. Damit wird deutlich: Eine fehlende Therapieantwort verstärkt das Infektionsrisiko signifikant über das bereits erhöhte Risiko bei therapieresponsiver Depression hinaus.
Bei der lebensgefährlichen Sepsis ist der Unterschied ebenfalls deutlich: Bei behandelbarer Depression ist das Risiko etwa 2,5-mal so hoch wie normal. Bei therapieresistenter Depression steigt es auf das 2,85-fache.
Immunsystem geschwächt
Die Studie macht deutlich, dass eine fehlende Therapieantwort das Immunsystem massiv schwächt. Mögliche Gründe dafür sind:
- chronischer Stress: Dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel schwächen die Immunabwehr
- Entzündungsprozesse: Depressionen gehen oft mit stillen Entzündungen einher, die den Körper anfälliger für Bakterien machen
- Lebensstil: Schwere Depressionen führen oft zu schlechterem Schlaf, mangelnder Ernährung oder weniger Bewegung, was die Abwehr zusätzlich schwächt
Die Studie identifizierte vor allem klassische Krankenhaus- und opportunistische Keime: Staphylococcus und E. coli, beides häufige Auslöser für Sepsis und Harnwegs- oder Hautinfektionen. Mycoplasma und Mycobacterium tuberculosis: Erreger, die oft dann auftreten, wenn die zelluläre Immunabwehr geschwächt ist.
Die Studie mit dem Titel „Comparative analysis of the risk of severe bacterial infection and septicemia in adolescents and young adults with treatment-resistant depression and treatment-responsive depression“ wurde in Taiwan unter anderem an der National Yang Ming Chiao Tung University und dem Taipei Veterans General Hospital durchgeführt und bei PubMed veröffentlicht.