Schlafmittel-Verschreibungen

AOK: Wie oft werden Heimbewohner ruhiggestellt? dpa, 19.09.2023 10:59 Uhr

Alte Menschen, die in Pflegeheimen medikamentös ruhiggestellt werden – das ist keine schöne Vorstellung. Eine Krankenkasse hat untersucht, wie häufig das vorkommt. Foto: Me studio-stock.adobe.com
Berlin - 

Pflegeheimbewohnern in Thüringen werden nach einer Krankenkassen-Analyse seltener Schlaf- und Beruhigungsmittel verordnet als in anderen Bundesländern. Der Anteil der Pflegebedürftigen im Heim, die diese Mittel dauerhaft einnehmen, lag 2021 bei 3,5 Prozent, wie die Krankenkasse AOK Plus am Dienstag mitteilte. Bundesweit waren es 7,6 Prozent, wie aus dem aktuellen Pflegereport des AOK-Bundesverbandes hervorgeht. Das wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) hatte Verordnungsdaten von bundesweit 350.000 Pflegeheimbewohnern ab 60 Jahren ausgewertet, darunter 17.400 in Thüringen.

Eine dauerhafte Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln gilt für ältere Menschen als gesundheitlich riskant. „Viele Studien zeigten, dass beispielsweise die Sturzgefahr deutlich steigt und dass die Schlaf- und Lebensqualität negativ beeinflusst wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK Plus, Rainer Striebel, laut Mitteilung. Die Daten machten deutlich, „dass hier ein ernsthaftes Versorgungsproblem besteht, das regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist“.

Während der Erhebung zufolge in Jena im Untersuchungszeitraum 1,2 Prozent der in Heimen lebenden Pflegebedürftigen Medikamente zur Ruhigstellung oder zum Schlafen bekamen, war es im Kreis Hildburghausen etwa jeder zehnte Heimbewohner.

Dehydrierte Demenzkranke

Das AOK-Institut hatte auch die Häufigkeit von Klinikeinweisungen von an Demenz erkrankten Pflegeheimbewohnern wegen Flüssigkeitsmangel (Dehydration) untersucht. Dies betraf 2021 in Thüringen 3,7 Prozent der demenzkranken Heimbewohner (Bund: 3,8 Prozent). Im Kyffhäuserkreis seien sogar fast 10 Prozent der Demenzkranken im Krankenhaus behandelt worden, weil sie nicht genug getrunken hatten. Auch in den Kreisen Weimarer Land, Eichsfeld, Gotha und Wartburg seien die Einweisungsraten wegen Flüssigkeitsmangel auffällig höher gewesen.

Verringert haben sich in Thüringen nach AOK-Einschätzung die aus Kassensicht oft unnötigen Klinikbehandlungen am Lebensende von Pflegeheimbewohnern. 2021 wurden 41 Prozent der in Heimen betreuten Pflegebedürftigen in ihren letzten 30 Lebenstagen im Krankenhaus behandelt, 2017 waren es noch mehr als 48 Prozent. Abzuwarten bleibe, ob dies nur eine vorübergehende Entwicklung in der Corona-Pandemie mit ohnehin weniger Klinikfällen sei, so Striebel.

In Thüringen leben nach Zahlen des Statistischen Landesamtes rund 23.000 Pflegebedürftige in Heimen. Die AOK Plus hat in Thüringen rund eine Million Kranken- und Pflegeversicherte.