Adipositas: Keto-Diät spaltet die Darmflora 13.03.2026 07:55 Uhr
Die radikale Umstellung auf eine extrem kohlenhydratarme Diät verändert bei Übergewicht die Zusammensetzung der Darmbakterien empfindlich. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass dabei zwar nützliche Arten zunehmen, wichtige Helfer für die Darmgesundheit aber gleichzeitig durch den Ballaststoffmangel verhungern.
Wenn Menschen mit starkem Übergewicht für eine schnelle Abnahme ihre Ernährung radikal umstellen, verändert das nicht nur ihren Körperfettanteil, sondern auch das Mikrobiom im Darm. Forschende analysierten in einer kürzlich veröffentlichten Studie die Auswirkungen einer extremen Form der Low-Carb-Ernährung – der ketogenen Diät – auf dieses empfindliche Ökosystem.
Ketogene Diät bei Adipositas
Eine ketogene Diät zeichnet sich durch eine extrem kohlenhydratarme sowie Eiweiß- und fettreiche Lebensmittelauswahl aus, die den Stoffwechsel in den Zustand der Ketose versetzt. Dabei gewinnt der Körper seine Energie nicht mehr aus Glukose, sondern verbrennt Fett, um in der Leber sogenannte Ketonkörper als alternativen Treibstoff zu produzieren.
Da die Darmflora bei Adipositas ohnehin oft im Ungleichgewicht ist, wollten die Wissenschaftler:innen wissen, ob diese Diätform die Bakterienzusammensetzung eher normalisiert oder zusätzliche Risiken birgt.
Für diese Analyse wurden im Rahmen eines systematischen Reviews die Ergebnisse zahlreicher Einzelstudien zusammengefasst und neu bewertet. Dabei lag der Fokus auf der Population von Menschen mit Adipositas, deren Stoffwechsel durch die starke Reduktion von Kohlenhydraten in den Zustand der Ketose versetzt wurden, um die Fettverbrennung zu maximieren.
Positive wie negative Effekte
Die Untersuchung zeigt gegensätzliche Entwicklungen innerhalb der Darmflora: Positiv ist laut Forschenden zu bewerten, dass die allgemeine Vielfalt der Bakterienarten zunahm und sich nützliche Stämme wie Akkermansia deutlich vermehrten. Dieses Bakterium stärkt die schützende Schleimschicht der Darmwand und hilft so, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
Zudem kam es zu einem Anstieg der Bacteroidetes. Diese Gruppe von Bakterien gilt als typisch für einen gesunden Stoffwechsel und hilft dabei, das bei Übergewicht oft gestörte Gleichgewicht der Darmflora zu korrigieren.
Gleichzeitig gab es jedoch einen Rückgang bei den Bifidobakterien sowie bei Bakterien, die Butyrat produzieren. Die Bifidobakterien unterstützen die Abwehrkräfte des Körpers und schützen die Darmschleimhaut vor Krankheitserregern.
Keto-Diät nur unter ärztlicher Aufsicht
Ihr Rückgang sowie der Mangel an Butyrat – der wichtigsten Energiequelle für die Darmwandzellen – wird auf das Fehlen von ballaststoffreichen Kohlenhydraten zurückgeführt. Ohne diese Nahrung können diese schützenden Bakterien im Dickdarm nicht überleben, was die Darmbarriere schwächen kann.
Die Forschenden raten daher dazu, eine solche Diät nur unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen und auf eine gezielte Zufuhr keto-freundlicher Ballaststoffe wie Flohsamenschalen oder Leinsamen zu achten.
Die Studie mit dem Titel „Impact of very low-calorie ketogenic diets on gut microbiota in obesity: a systematic review and meta-analysis“ wurde von einem internationalen Forschendenteam durchgeführt und im Fachjournal Nutrients veröffentlicht.