Adipositas: Kein Erbrechen unter Amylin-Analogon 20.03.2026 08:58 Uhr
In einer aktuellen Studie erreichten Proband:innen, die das Amylin-Analogon Petrelintid (Roche/Zealand) anwandten, in Woche 42 eine mittlere Gewichtsreduktion von über 10 Prozent gegenüber 1,7 Prozent unter Placebo. Dabei wurden – anders als bei GLP-1-Präparaten – keine Fälle von Erbrechen beobachtet.
Der Wirkstoffkandidat Petrelintid ist ein langwirksames Amylin-Analogon, das von Roche im Rahmen eines exklusiven Lizenzabkommens mit dem dänischen Unternehmen Zealand Pharma entwickelt wird.
Die Wirkungsweise basiert auf der Nachahmung des körpereigenen Hormons Amylin. Dieses wird in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert und gemeinsam mit Insulin als Reaktion auf die Nahrungsaufnahme freigesetzt. Durch die gezielte Aktivierung des Amylin-Rezeptors reduziert das Präparat das Körpergewicht, indem es die Sensitivität gegenüber dem Sättigungshormon Leptin wiederherstellt und so ein frühzeitiges Sättigungsgefühl auslöst.
Frauen nahmen mehr ab
In der Phase-II-Studie Zupreme-1 wurde die Wirkung von Petrelintid bei 493 übergewichtigen und adipösen Personen mit einem mittleren Body-Mass-Index von 37 kg/m² untersucht. Die Teilnehmenden erhielten über einen Zeitraum von 42 Wochen einmal wöchentlich eine subkutane Injektion. Die Dosis wurde alle vier Wochen gesteigert.
Die Studienpopulation war geschlechterparitätisch zusammengesetzt, wobei 53 Prozent der Teilnehmenden weiblich waren. Der primäre Endpunkt der Untersuchung war die prozentuale Veränderung des Körpergewichts nach 28 Wochen. Zu diesem Zeitpunkt erreichten die Behandelten im Mittel einen Gewichtsverlust von bis zu 10,7 Prozent im Vergleich zu 1,7 Prozent in der Placebo-Gruppe.
Diese Reduktion hielt bis zur Woche 42 an. Dabei verloren weibliche Studienteilnehmende laut Roche deutlich mehr Gewicht als männliche. Dies konkretisierte David Kendall, Chief Medical Officer von Zealand Pharma, im Rahmen einer Analystenkonferenz; demnach verloren Frauen in der maximal wirksamen Dosisgruppe im Durchschnitt etwa sechs Prozentpunkte mehr Gewicht als die männlichen Teilnehmer auf einer Placebo-bereinigten Basis.
Kein Erbrechen
Hinsichtlich der Verträglichkeit lag die Abbruchrate aufgrund von unerwünschten Ereignissen im maximal wirksamen Behandlungsarm bei 4,8 Prozent gegenüber 4,9 Prozent unter Placebo. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen betrafen den Magen-Darm-Trakt. Diese wurden überwiegend als leicht eingestuft.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist laut Roche, dass der Anteil der Teilnehmenden mit Erbrechen in allen Petrelintid-Behandlungsarmen sogar geringer war als unter Placebo. Im maximal wirksamen Behandlungsarm trat kein einziger Fall von Erbrechen auf.
Dies markiert einen deutlichen Unterschied zu bisherigen Standardtherapien unter GLP-1-Präparaten. Hier wurden in Zulassungsstudien Erbrechen-Raten von bis zu 24 Prozent (wie bei Wegovy in der Step-1-Studie) berichtet.
Geringe Abbruchrate
Auch Fälle von Übelkeit traten seltener auf als in vorangegangenen Untersuchungen. Nach Erreichen der Erhaltungsdosis wurden sie fast nicht mehr berichtet. Die Häufigkeit von Durchfall und Verstopfung entsprach der unter Placebo und blieb im einstelligen Prozentbereich.
Die Abbruchrate aus beliebigen Gründen betrug in den Petrelintid-Armen 8,4 Prozent im Vergleich zu 13,6 Prozent in der Kontrollgruppe. In der Kohorte mit der größten Gewichtsreduktion erreichten 98 Prozent der Behandelten die Erhaltungsdosis.
Wirkstoffkombination in der Pipeline
Die Ergebnisse dienen laut Roche als Grundlage für die Gestaltung einer Phase-III-Studie. Weitere Daten aus Zupreme-2 bei Patienten mit Typ-2-Diabetes werden in der zweiten Jahreshälfte erwartet.
Außerdem stellt der Hersteller eine Phase-II-Studie zur Untersuchung der Kombination von Petrelintid und Roches führendem Wirkstoff CT 388 in Aussicht.