Abnehmspritzen: Achillessehne kann reißen 12.03.2026 12:51 Uhr
Für Abnehmspritzen scheint es eine neue Nebenwirkung zu geben. Darauf deuten aktuelle Daten einer Studie hin. Bei Patient:innen mit Adipositas soll die Einnahme von GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) mit einem signifikant höheren Risiko für Sehnenrisse verbunden sein.
In der retrospektiven Studie „GLP-1 Receptor Agonist Use Is Associated with Increased Rates of Major Tendon Ruptures in Patients with Obesity“ wurden über einen Zeitraum von fünf Jahren knapp 157.000 Patienten untersucht. Die Ergebnisse wurden kürzlich auf der Jahrestagung der American Academy of Orthopaedic Surgeons vorgestellt.
Die Forschenden verglichen Nutzerinnen und Nutzer von GLP-1-Medikamenten mit einer Kontrollgruppe, die hinsichtlich Alter, Geschlecht, BMI, ethnischer Zugehörigkeit und Vorerkrankungen vergleichbar war.
Risiko für Sehnenrisse erhöht
Der Risikovergleich bei Patientinnen und Patienten mit Adipositas (BMI > 30) zeigte folgende Ergebnisse:
- Ein Riss der Rotatorenmanschette trat bei 2,4 Prozent der GLP-1-Nutzer auf. Im Vergleich dazu, erlitten nur 1,5 Prozent in der Kontrollgruppe solch einen Sehnenriss.
- Einen Riss der Achillessehne mussten 0,3 Prozent der GLP-1-Gruppe erleiden. In der Vergleichsgruppe waren es 0,2 Prozent.
- In der GLP-1-Gruppe erlitten 0,8 Prozent einen Brustmuskelriss (Pectoralis major), aber nur 0,5 Prozent in der Vergleichsgruppe.
Bei Patienten, die sowohl an Typ-2-Diabetes als auch an Adipositas litten, bestätigten sich diese Ergebnisse ebenfalls. Hier zeigten sich zudem erhöhte Risiken für Risse der Peronealsehne am Fuß und der Quadrizepssehne am Knie.
Risiko insgesamt gering
Trotz der prozentualen Steigerung betont Studienleiter Jad Lawand von der University of Texas, dass das absolute Risiko gering bleibt. Bei den meisten Arten von Sehnenrissen liegt die Wahrscheinlichkeit auch mit Medikamenten unter 1 Prozent. Dennoch ist das Risiko im Vergleich zu Nicht-Nutzern um etwa das 1,5-Fache erhöht.
Warum diese Medikamente die Sehnen schwächen könnten, ist laut den Forschenden noch nicht abschließend geklärt. Es werden drei Haupttheorien diskutiert:
- Mangelernährung: Durch die Appetithemmung und eine verlangsamte Verdauung (Gastroparese) könnte die Nährstoffaufnahme gestört sein, was das Sehnengewebe schwächt.
- Muskelverlust: Der schnelle Gewichtsverlust reduziert oft auch die Muskelmasse, was die mechanische Belastung auf die verbleibenden Sehnen erhöht.
- Schnelle Aktivitätssteigerung: Patienten, die schnell Gewicht verlieren, bewegen sich oft plötzlich deutlich mehr. Ohne ein kontrolliertes Trainingsprogramm kann diese ungewohnte Belastung zu Verletzungen führen.
Ärzt:innen sollten laut den Forschenden gemeinsam mit den Patienten, dieses Risiko bei der Verschreibung abwägen. Insbesondere Patienten, die bereits andere Medikamente einnehmen, welche die Sehnen schwächen, oder die eine familiäre Vorbelastung für Sehnenverletzungen haben, sollten vorsichtig sein.