Abnehmspritze: Geschmacks- und Geruchsverlust möglich 14.07.2026 07:57 Uhr
Kann die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten Geruchs- und Geschmacksstörungen auslösen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Wissenschaftler. Das Ergebnis: Semaglutid oder Tirzepatid scheinen bei Erwachsenen mit einem geringfügig erhöhten Risiko für das neuartige Auftreten dieser Nebenwirkungen verbunden zu sein.
Die Ergebnisse der Studie „Smell and Taste Disturbances Among Glucagon-Like Peptide-1 Receptor Agonist Users“ wurden kürzlich im Fachmagazin „JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery“ veröffentlicht.
Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem untersuchten, ob die Anwendung von Semaglutid (Ozempic und Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro) zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas bei Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für das neuartige Auftreten von Geruchs- und Geschmacksstörungen verbunden ist.
Dazu wurden die Daten von mehr als 870.000 Patientinnen und Patienten aus einer großen elektronischen Gesundheitsdatenbank analysiert. Es wurden rund 438.000 Nutzerinnen und Nutzer von GLP-1-Medikamenten mit einer ebenso großen Kontrollgruppe verglichen, die andere Antidiabetika einnahm. Der Beobachtungszeitraum betrug bis zu zwei Jahre.
Gesamtrisiko für Geruchs- oder Geschmacksstörungen
Die Studienergebnisse zeigten ein klares Sicherheitssignal: Die Anwendung von GLP-1-Präparaten geht mit einem statistisch signifikant höheren Risiko für Riech- und Schmeckstörungen einher.
Die Gruppe der GLP-1-Nutzer hatte ein um 48 Prozent höheres Gesamtrisiko für neue Geruchs- oder Geschmacksstörungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dabei war das Risiko für Riechstörungen um 81 Prozent erhöht.
Das Risiko für Geschmacksstörungen wie eine qualitativ gestörte oder verfälschte Geschmacksempfindung war um 52 Prozent erhöht. Aber: Obwohl das relative Risiko deutlich ansteigt, bleibt das absolute Risiko im niedrigen Prozentbereich.
Als möglicher biologischer Mechanismus wird vermutet, dass GLP-1-Rezeptoren direkt im Riechkolben und in anderen chemosensorischen Signalwegen des Körpers aktiv sind und dort durch die Medikamente beeinflusst werden.
Was bedeutet das für die Patienten?
Patienten, die GLP-1-Präparate zur Gewichtsreduktion oder Diabetes-Einstellung einnehmen, sollten sich bewusst sein, dass Veränderungen des Geschmacks oder des Geruchs potenzielle Nebenwirkung sein können. Wenn sie bemerken, dass das Essen plötzlich fade schmeckt, sich der Geschmack unangenehm verändert oder der Geruchssinn nachlässt, sollte dies proaktiv in der Arztpraxis gemeldet werden.
Da ein gedämpfter Geruchs- und Geschmackssinn die Freude am Essen mindern oder in manchen Fällen sogar das Verlangen nach hochkalorischen, stark gewürzten Lebensmitteln verändern kann, ist es wichtig, diese Nebenwirkung im Gesamtkontext der Gewichts- oder Diabetestherapie zu beobachten.