Wissenschaftspreis

40.000 Euro: Phoenix kürt Pharmazie-Profs APOTHEKE ADHOC, 26.10.2018 11:08 Uhr

Berlin - 

Phoenix hat in diesem Jahr Pharmazie-Professoren aus Jena, Frankfurt und Heidelberg für ihre innovativen Forschungsprojekte ausgezeichnet. Die Wissenschaftler widmeten sich in ihren Studien Magic Mushrooms, Wundauflagen durch Bakterien, Steatohepatitis und Plexin-B2-Signalisierung. Der Mannheimer Großhändler ehrt die Projekte mit insgesamt 40.000 Euro.

Phoenix prämiert seit 1996 mit dem Wissenschaftspreis jährlich Studien mit pharmazeutischer Relevanz. Gefragt sind Arbeiten aus den Fachbereichen Pharmakologie und Klinische Pharmazie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Chemie sowie Pharmazeutische Technologie. Eine unabhängige Jury unter der Leitung von Professor Dr. Jörg Kreuter von der Goethe-Universität Frankfurt bewertet die Einreichungen. Teilnehmen können Universitäten aus dem deutschsprachigen Raum. Jährlich gibt es rund 50 Einreichungen.

Am Donnerstagabend wurde der Wissenschaftspreis zum 22. Mal verliehen. „Mit inzwischen über 80 ausgezeichneten Forschungsarbeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz leisten wir mit dem Phoenix-Pharmazie Wissenschaftspreis unseren Beitrag, damit pharmazeutische Spitzenforschung in der DACH-Region eine Heimat hat“, sagte Konzernchef Oliver Windholz. Bei den Studien handele es sich um Spitzenforschung, die für die Gesundheitsversorgung von Menschen weltweit bahnbrechend sein könne.

Ausgezeichnet in der Kategorie Pharmazeutische Biologie wurde die Arbeit „Enzymatic Synthesis of Psilocybin“ (veröffentlicht in: Angewandte Chemie International Edition 56, 12352-12355) unter der Leitung von Professor Dr. Dirk Hoffmeister am Institut für Pharmazie der Universität Jena. Das Team hinterfragte, ob „Magic Mushrooms“ Depressionen behandeln können. Pilze wie Psilocybe cubensis enthalten Psilocybin, welches Strukturähnlichkeit zum Serotonin aufweist. Psilocybin führt zu Bewusstseinsveränderungen und ist wie LSD ein klassisches Halluzinogen. Es greift als partieller Agonist hauptsächlich am 5HT2A-Rezeptor des menschlichen zentralen Nervensystems an.

Psilocybin wird derzeit hinsichtlich seines Einsatzes zur Behandlung therapieresistenter Depressionen oder bei Angstzuständen im Zuge fortgeschrittener Krebserkrankungen in klinischen Studien der Phase III untersucht. Die Arbeitsgruppe um Hoffmeister konnte Psilocybin in einer kombinierten Reaktion mit PsiD, PsiK und PsiM in vitro synthetisiert nachweisen. Angesichts des wieder aufkommenden pharmazeutischen Interesses an Psilocybin schaffen diese Ergebnisse eine Grundlage für dessen biotechnologische Produktion in vitro oder in vivo.

Unter der Leitung von Professorin Dr. Dagmar Fischer vom Institut für Pharmazie der Universität Jena wurde in der Kategorie Pharmazeutische Technologie folgende Arbeit geehrt: „Controlled extended octenidine release from a bacterial nanocellulose/ Poloxamer hybrid system“ (Veröffentlicht in: EJPB 112 (2017) 164-176). Der Kern: Die Forschungsgruppe verwendete bakterielle Nanocellulose zur Herstellung von Wundauflagen. Im Fall von Octenidin, einem Antiseptikum in der Wundbehandlung, ist es gelungen, über den Einbau von Poloxamer-Polymeren in Form von Mizellen oder Gelstrukturen in Nanocellulose ein Hybridsystem zu schaffen, das Wirkstoffe etwa als moderne Wundauflage freisetzen kann.

In der klinischen Praxis bedeutet das weniger Verbandswechsel und damit mehr Patientencompliance, Kosten- und Zeiteinsparung. Das Material besitzt zudem herausragende Eigenschaften bei der Wasseraufnahme, Weichheit und Flexibilität, kombiniert mit einer exzellenten Bioverträglichkeit. So entstand ein kontrollierbares Wirkstoffträgersystem für die langanhaltende dermale Wundbehandlung.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Dr. Daniel Merk. Er ist Nachwuchsgruppenleiter an der Goethe-Universität Frankfurt und Fellow an der Eidgenössisch-Technischen Universität in Zürich. Das Team erhält den Preis in der Kategorie Pharmazeutische Chemie mit der Arbeit: „A Dual Modulator of Farnesoid X Receptor and Soluble Epoxide Hydrolase to Counter Nonalcoholic Steatohepatitis“ (veröffentlicht in: Journal of Medicinal Chemistry 2017, 60(18), 7703-7724). Die nicht-alkoholische Fettleber und die nicht-alkoholische Steatohepatitis als deren fortgeschrittene Form gelten als hepatische Manifestation des metabolischen Syndroms.

Die Forschungsgruppe um Merk hat einen experimentellen Wirkstoff entwickelt, der simultan zwei biologische Zielstrukturen moduliert, deren jeweilige Wirksamkeit bei nicht-alkoholischer Steatohepatitis in klinischen Studien beziehungsweise funktionellen Tiermodellen belegt ist. Insbesondere die Aktivierung des farnesoiden X-Rezeptors (FXR), die antisteatoide und antifibrotische Effekte in klinischen Studien zeigte, kombiniert mit der Hemmung der löslichen Epoxidhydrolase (sEH) als entzündungshemmende Strategie verspricht Synergien.

Um dieses duale Konzept zu nutzen, hat das Team Agenten entwickelt, die einen partiellen FXR-Agonismus und eine sEH-hemmende Aktivität ausüben. Die Zusammenführung bekannter Pharmakophoren und die systematische Erforschung der Struktur-Aktivitäts-Beziehung an beiden Targets ergab duale Modulatoren mit niedriger nanomolarer Potenz. Umfangreiche In-vitro-Charakterisierung bestätigte eine hohe duale Wirksamkeit im zellulären Kontext in Kombination mit einer geringen Toxizität, und die Daten des Piloten in vivo zeigten eine positive Pharmakokinetik sowie eine Beteiligung an beiden Targets in vivo.

In der Kategorie Pharmakologie und Klinische Medizin wurde unter der Leitung von Professorin Dr. Rohini Kuner am Institut für Pharmakologie der Universität Heidelberg die Arbeit „Semaphorin 4C Plexin-B2 signaling in peripheral sensory neurons is pronociceptive in a model of inflammatory pain“ (veröffentlicht in: Nature Communications 8, 176, 1-15) ausgezeichnet. Kuner und ihr Team zeigten im Mausmodell, dass der Rezeptor Plexin-B2 und sein Ligand Semaphorin-4C in peripheren sensorischen Neuronen beim Erwachsenen unter Entzündung stark vermehrt ist und zu der bei Entzündungen auftretenden Hyperalgesie beiträgt.

Darüber hinaus wird der Ligand bei Entzündung auch von Immunzellen abgegeben, was sich zusätzlich schmerzverstärkend auswirkt. Diese Ergebnisse deuten auf wichtige Rollen für die Plexin-B2-Signalisierung in der Sinnesfunktion hin, die bei pathologischen Schmerzen von therapeutischer Bedeutung sein kann.