WHIM-Syndrom

40.000 Euro: Norgine bringt Mavorixafor 30.09.2026 08:02 Uhr

Berlin - 

Norgine bringt Xolremdi (Mavorixafor) auf den Markt. Es ist das erste und einzige in der EU zugelassene Arzneimittel zur Behandlung des WHIM-Syndroms (Warzen, Hypogammaglobulinämie, Infektionen, Myelokathexis). Die Monatspackung mit 120 Hartkapseln kostet 40.000 Euro.

Xolremdi ist ab sofort als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zum Einsatz bei Patientinnen und Patienten ab zwölf Jahren erhältlich und erstattungsfähig. Deutschland und Österreich sind die ersten europäischen Länder, in denen Xolremdi nach der EU-Zulassung durch die EU-Kommission im April eingeführt wird.

Mavorixafor wirkt als Antagonist am CXC-Chemokinrezeptor-4 (CXCR4), der die Bindung des CXCR4-Liganden – Stromal-Derived Factor 1α (SDF-1α)/CXC-Chemokin-Ligand 12 (CXCL12) – blockiert. SDF-1/CXCR4 spielt eine Rolle beim Transport und Homing von Leukozyten in und aus dem Knochenmark-Kompartiment. Gain-of-Function-Mutationen im CXCR4-Rezeptor-Gen, die bei Patienten mit WHIM-Syndrom auftreten, führen zu einer erhöhten Reaktivität auf CXCL12 und zur Retention von Leukozyten im Knochenmark. Mavorixafor inhibiert die Reaktion auf CXCL12 sowohl bei Wildtyp- als auch bei mutierten CXCR4-Varianten im Zusammenhang mit dem WHIM-Syndrom. Die Behandlung mit Mavorixafor führt zu einer verstärkten Mobilisierung von Neutrophilen, Lymphozyten und Monozyten aus dem Knochenmark in den peripheren Kreislauf.

Seltene primäre Immundefizienz

Beim WHIM-Syndrom handelt es sich um eine seltene primäre Immundefizienz, die durch Mutationen im CXCR4-Gen verursacht wird und mit Neutropenie, Infektionen, Hypogammaglobulinämie und Warzen einhergehen kann. Mit Xolremdi steht erstmals eine auf den zugrunde liegenden CXCR4-Mechanismus ausgerichtete Therapieoption für Menschen mit WHIM-Syndrom zur Verfügung, die einmal täglich oral eingenommen wird und die Anzahl zirkulierender reifer Neutrophiler und Lymphozyten im Blut erhöht.

Einmal täglich sollen 400 mg oral auf nüchternen Magen nach Nahrungskarenz über Nacht und mindestens 30 Minuten vor dem Essen eingenommen werden, das entspricht vier Kapseln. Bei einem Körpergewicht von 50 kg oder weniger liegt die Tagesdosis bei 300 mg. Der Patient sollte nicht die doppelte Dosis einnehmen, um eine versäumte Dosis auszugleichen. Bei gleichzeitiger Anwendung von starken oder mittelstarken CYP3A4-Inhibitoren oder P-gp-Inhibitoren sollte die Tagesdosis auf 200 mg reduziert werden.

Ausschlusskriterien

Patienten sind darauf hinzuweisen, keine Erzeugnisse mit Grapefruit zu essen oder zu trinken, da Grapefruit ein starker CYP3A4-Inhibitor ist und das Risiko von Nebenwirkungen von Mavorixafor erhöhen kann.

Mavorixafor verursacht eine konzentrationsabhängige QTc-Verlängerung. Eine Schwangerschaft ist auszuschließen, da Mavorixafor bei Anwendung während der Schwangerschaft den Fötus schädigen kann. Auch Männer sollten während der Behandlung verhüten. Um Angehörige der Gesundheitsberufe und Patienten bei der Minimierung des potenziellen Risikos einer embryo-fetalen Toxizität zu unterstützen, werden ein Leitfaden verteilt und eine Patientenkarte in der Arzneimittelverpackung bereitgestellt.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Diarrhoe, Dyspepsie, Abdominalschmerz, Erbrechen und Ausschlag; häufige unerwünschte Wirkungen sind Schwindel, Synkope, Epistaxis, Trockene Haut und Psoriasiforme Dermatitis.

Norgine will aufklären

„Die Verfügbarkeit von Xolremdi stellt einen wichtigen Fortschritt für Menschen mit WHIM-Syndrom dar, für die bislang nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen“, sagte Rüdiger Merkel, General Manager bei Norgine. „Neben der Bereitstellung dieser neuen Therapieoption setzen wir uns gemeinsam mit medizinischen Fachkräften und Patientenorganisationen dafür ein, das Bewusstsein für das WHIM-Syndrom zu stärken und eine frühere Diagnose zu fördern.“

Die Zulassung unter außergewöhnlichen Umständen unterstreicht laut Norgine die Seltenheit des WHIM-Syndroms und den hohen medizinischen Bedarf in diesem Bereich. Grundlage der Zulassung waren die Ergebnisse aus der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie „4WHIM“, in der Mavorixafor im Vergleich zu Placebo zu einer anhaltenden Erhöhung der zirkulierenden Neutrophilen- und Lymphozytenzahlen führte und mit einer Verringerung der Infektionslast verbunden war. In der Verumgruppe waren 14 Patientinnen und Patienten, die Hälfte davon zwischen 12 und 18 Jahren.