2025 über 1000 Lieferengpässe gemeldet 05.02.2026 15:23 Uhr
Engpässe bei Arzneimitteln sind weiter ein Thema in Apotheken. Auch wenn sich die Versorgungslage bei einigen Präparaten entspannt oder die Apothekenteams einen Weg gefunden haben, damit umzugehen, so sind Defekte immer noch stark zu spüren. Das zeigt auch die kürzlich vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) herausgegebene Grafik des Monats: 2025 sind demnach 1514 Lieferengpassmeldungen zu 1041 Lieferengpässen erfasst worden. Betroffen sind vor allem Psychopharmaka und weiterhin Antibiotika.
Im Bereich der Psychopharmaka fallen Antipsychotika mit 173 Meldungen, davon 151 verschiedene Pharmazentralnummern (PZN) und einer durchschnittlichen Engpassdauer von 230 Tagen besonders auf. Es folgen Antidepressiva mit 130 Meldungen, 126 betroffenen PZN und 107 Tagen Engpassdauer – beide Gruppen gelten damit als besonders problematisch. Zumal der Anteil an der Versorgung relevant ist: 2024 haben rund eine Million Erkrankte ein entsprechendes Präparat erhalten. Ein Wechsel des Wirkstoffes ist bei den Mitteln oft nicht ohne Weiteres möglich.
Probleme gab es zudem bei Lipidsenkern mit 89 Meldungen, 80 betroffenen PZN und 156 Tage Engpassdauer und etwa zwei Millionen Patientinnen und Patienten sowie Antibiotika mit 85 Meldungen, 78 PZN und einer Engpassdauer von 122 Tagen bei 2,2 Millionen betroffenen Patientinnen und Patienten, die auf solche Präparate angewiesen sind. Für die Statistik hat das Zi die vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für 2024 und 2025 zusammen mit den Lieferengpassmeldungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angeschaut.
Gefahr: Verfügbarkeit vor Leitlinie
„Fehlen mehrere antibiotische Wirkstoffe oder Darreichungsformen gleichzeitig, können Ärztinnen und Ärzte nicht mehr primär leitliniengerecht auswählen, sondern müssen ihre Therapie an der aktuellen Verfügbarkeit ausrichten. Das kann die Versorgungsqualität reduzieren und Resistenzen begünstigen“, warnte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.
Aufgefallen sind in der Statistik zudem die Engpässe bei Salbutamol und Antiepileptika. „Das ist versorgungsrelevant, weil in beiden Fällen Ausweichmöglichkeiten je nach Darreichungsform beziehungsweise Wirkstoff oft eingeschränkt sind. Bei Salbutamol ist der anhaltende Versorgungsmangel unter anderem durch Notfallimporte abgefedert worden, zeitweise auch mit Beständen aus dem Ausland. Anderssprachige Packungsbeschriftungen können bei Patientinnen und Patienten allerdings für Verunsicherung sorgen und das Vertrauen in die Arzneimittelversorgung beeinträchtigen“, so von Stillfried.
Lauterbachs Engpass-Gesetz in der Kritik
Die Versorgung sei zu abhängig von weltweiten Variablen, beispielsweise bei der Produktion von Arzneimitteln oder Wirkstoffen in Asien: „Kommt es dort zu Produktionsproblemen, Qualitätsmängeln oder Störungen in den Lieferketten, macht sich das ganz schnell auch in Apotheken in Deutschland bemerkbar.“ Das von Karl Lauterbach (SPD) 2023 auf den Weg gebrachte Engpass-Gesetz (ALBVVG) habe außer Kosten nach Auskunft der Kassen bisher keine spürbaren Veränderungen gebracht – „schon gar keine strukturellen Versorgungsverbesserungen“, mahnt von Stillfried.
Hilft ein Frühwarnsystem?
Er schlägt hingegen ein Frühwarnsystem vor, „das gewährleistet, dass Informationen über signifikante Produktionsausfälle in Asien direkt die Versorgungsverantwortlichen in Deutschland erreichen und nicht erst dann, wenn die Pharmaunternehmen bereits keine Arzneimittelpackungen mehr ausliefern können“.