Preisvorteil vs. Apothekensterben

WDR: Sparen im Versandhandel 16.04.2026 14:00 Uhr

Berlin - 

Wieder einmal beschäftigt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Versandapotheken. Im Magazin „WDR Markt“ wurde nicht nur über das Apothekensterben und die Expansionsstrategie von Versendern wie Shop Apotheke und DocMorris berichtet, sondern auch über den Preisvorteil im Versandhandel.

Die Branche der Versandriesen kommt in der Analyse glänzend weg: Durch hochautomatisierte Logistikzentren, wenig Personal – oft im grenznahen Ausland – und eine lückenlose digitale Benutzeroberfläche gewinne sie rasant Marktanteile. Das Marketing setze dabei gezielt auf finanzielle Anreize: Mit Gutscheinen und Rabattaktionen würden Kund:innen systematisch an die Apps gebunden.

Während die Online-Händler als moderne Effizienzmaschinen gezeichnet werden, zeigt der Beitrag die Kehrseite für die lokale Infrastruktur. Auch die Drogerieketten dm und Rossmann mischten mittlerweile den Markt auf, auch wenn sie in den Filialen keine Medikamente verkaufen dürften.

Trotz eigener Bemühungen im Bereich der Digitalisierung kämpften die verbliebenen 16.600 Apotheken in Deutschland damit, sich gegen die börsennotierten Konzerne zu behaupten. Das direkte Resultat dieser Situation sei das „Apothekensterben“.

Auch ein Preisvergleich wurde durchgeführt und zeigte teils massive Differenzen auf: Die getestete Vor-Ort-Apotheke war bei allen drei Szenarien teurer als Shop Apotheke, DocMorris und dm-med. Diese Preisvorteile würden jedoch durch die fehlende persönliche Beratung und den Wegfall lokaler Serviceleistungen teuer erkauft, räumen die Autoren ein. Wo die Vor-Ort-Apotheke als Sicherheitsnetz fungiere und Einnahmefehler oder Wechselwirkungen im persönlichen Gespräch erkenne, biete der Versandhandel oft nur standardisierte Abwicklungen.

So liefert die Reportage ein nüchternes Bild der aktuellen Transformation: Die Online-Apotheken punkten mit Komfort und Fortschritt, während die Vor-Ort-Apotheken als unverzichtbare, aber strukturell unterlegene Versorger in der Krise erscheinen. Kund:innen würden somit vor eine moralische Zwickmühle gestellt: Am Ende entschieden sie mit ihrem Klick, ob es die Apotheke im Dorf in fünf Jahren noch gebe.