Versandhandel

Tausende Teststreifen vom Ebay-Händler APOTHEKE ADHOC, 15.06.2016 14:00 Uhr

Berlin - 

Gute Ware, schnelle Lieferung, gerne wieder: Die Kommentare, die ein Ebay-Händler von seinen Kunden erhält, sind fast durchweg positiv. Der private Anbieter hat sich auf Teststreifen für Diabetiker spezialisiert. In den vergangenen Jahren hat er über die Auktionsplattform hunderte Packungen an den Mann gebracht. Der Fall ist nur ein Beispiel für den regen Graumarkthandel.

Der Händler mit dem Namen 10leo5 ist seit Juli 2010 Mitglied bei Ebay. Die Plattform nutzte er zuletzt vor allem für den Verkauf von Teststreifen. Aktuell bietet er die Hilfsmittel für das Gerät Accu-Chek Mobile und Accu-Chek Aviva von Roche an. Zur Auktion stehen jeweils fünf Packungen à 50 Stück. Das höchste Gebot liegt bei 11,50 Euro; die Auktion läuft noch.

Bei diesen Preisen bleibt es in der Regel aber nicht. Der Anbieter macht mit ähnlichen Mengen pro Auktion zwischen 50 und 90 Euro Umsatz. Verkauft wurden bisher rund 44.000 Teststreifen, das entspricht rund 880 Packungen à 50 Streifen. Davon entfallen rund 272 Packungen auf die vergangenen zwölf Monate.

Bei den Verkäufen handelt es sich um Privatauktionen. Rücknahme und Umtausch sind dem Händler zufolge ausgeschlossen. Teststreifen sind normalerweise in Apotheken, Drogerien und im Diabetes-Fachhandel erhältlich. Bei illegalen Verkauf von Arzneimitteln durch private Händler waren die Bemühungen der Apotheker oft daran gescheitert, dass die Ermittlungsbehörden nicht von gewerblichem Handeln, sondern Einzelfällen ausgegangen sind.

Der Teststreifen-Anbieter bei Ebay ist jedoch kein Einzelfall: Dem Graumarkt ist Professor Dr. Heiko Burchert von der Fachhochschule Bielefeld auf den Grund gegangen. In einer Studie hatte er sich mit dem Thema beschäftigt und die Verkäufer analysiert. In der Regel gibt es demnach für Teststreifen bei Ebay parallel zwischen 900 und 1300 Angebote von Privatpersonen.

Unter ihnen vermutete der Wissenschaftlicher nicht nur Patienten, sondern auch Apothekenmitarbeiter. In der langfristig angelegten Studie konnten rund 2500 private Anbieter zusammengetragen werden. Von diesen wurden 939 Verkäufer nach einem Zufallsprinzip ausgewählt und von Januar 2011 an drei Jahre lang beobachtet.

Insgesamt haben die beobachteten Nutzer laut Burchert knapp 25.000 bewertete Verkäufe getätigt. Dabei wurden rund 2,4 Millionen Blutzuckerteststreifen veräußert und knapp 800.000 Euro umgesetzt. Der durchschnittliche Preis für eine Packung mit 50 Teststreifen liegt laut Burchert bei 16,28 Euro – und damit deutlich unterhalb des Apothekenpreises. Die Preise schwankten allerdings zwischen 13 und 30 Euro.