Schaufensterdekoration

Unterwäsche statt Pillenpackung APOTHEKE ADHOC, 21.09.2018 07:58 Uhr

Berlin - 

Wie lockt man Kunden vors Schaufenster ­ und in die Apotheke? Apothekerin Ursula Buhlmann aus Wermelskirchen weiß, wie das geht: Bei ihr bekommen sammelnde Kunden eine Bühne. Diesmal ist schicke Unterwäsche von anno dazumal zu sehen.

Apothekenschaufenster sind eine Klasse für sich. Die einen dekorieren akribisch und phantasievoll, bei den anderen liegen wochenlang tote Fliegen im Schaufenster. Nicht in der Bergischen Apotheke. Dort wird der Schaufenstergestaltung viel Zeit und Liebe gewidmet. „Seit zehn Jahren stellen wir Gegenstände von Kunden aus, die etwas sammeln“, erzählt Buhlmann. Bisher wurden unter anderem Elefantenskulpturen, Elche, Schlümpfe, Weihnachtsmänner, alte Fotoapparate und Briefbeschwerer präsentiert.

Alle vier bis sechs Wochen wird umdekoriert. Nachschub-Probleme kennt die Apothekerin nicht. „Wir haben Ideen für ein paar Jahre. Es ist eine Marketingmaßnahme, die wirklich Spaß macht.“ Sie fügt hinzu: „Ich mag keine Firmendekorationen.“

Auch die Kunden von morgen werden von ihr bei Laune gehalten, besonders gern zur Weihnachtszeit. Dann werden kleine Spielzeugsammlungen ausgestellt. Die Sammler freuen sich stets sehr. „Die Leute sehen ihre Sammlung ja selten ausgestellt und sind begeistert, wenn sie sie im Schaufenster sehen. Außerdem möchen sie gern andere Menschen an ihren Stücken teilhaben lassen.“ Besonders gern erinnert sie sich an eine Dekoration mit antiken Spazierstöcken. „Die waren wunderschön und richtig wertvoll, mit Silberköpfen.“ Die antike Unterwäsche nimmt diesmal ausnahmsweise zwei Schaufenster ein: „Weil die Teile so groß sind.“ Die Sammlerin hat, so erzählt Buhlmann, besitze die guten Stücke kistenweise. Und auch alte Bügeleisen.

Ein Schaufenster ist immer die Tür zur Seele eines Geschäfts. Hier zeigt sich, ob der Betreiber Phantasie, Humor oder Sachlichkeit bevorzugt. Wer weiter geht, drückt aus, dass nichts ihn festhält. Nur wer stehen bleibt, wird auch eintreten und kaufen. Heike Belgert aus Berlin weiß, wie man Schaufenster so dekoriert, dass die Menschen gern davor innehalten. Sie betreibt die Werbeagentur Art Window, gestaltet seit mehr als einem Vierteljahrhundert Schaufenster von Geschäften, auch Apotheken sind darunter.

„Wenn man durch die Stadt geht, sieht man viele Apotheken, die die Werbung von Herstellern im Schaufenster platzieren. Das finde ich super-penetrant“, sagt sie. Ihr erster Auftraggeber aus der Apothekenszene war vor 16 Jahren die BerlinApotheke in der Oranienburger Straße.

Hier kommen täglich tausende Berliner und Touristen vorbei. „Der Besitzer hat den Anspruch, dass die Schaufenster klar und strukturiert sein sollen, schnell zu erfassen, sehr innovativ, ohne viel Ware darin. Wir bringen das aktuelle Thema schnell auf den Punkt, machen immer schöne, einprägsame Sprüche dazu. Wenn man zum Beispiel mit dem Rad daran vorbeifährt, muss die Botschaft schnell zu erfassen sein.“