Tuberkulose-Fall bei Kind – Suche nach der Quelle 04.02.2026 13:07 Uhr
Nach dem Bekanntwerden eines Tuberkulose-Falls in einer Kindertagesstätte in Senftenberg sucht das Gesundheitsamt aus Sicht eines Lungen-Spezialisten gezielt nach der Quelle der Ansteckung. Es müsse nachverfolgt werden, bei wem sich das Kind angesteckt habe, sagte der Generalsekretär des Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK), Professor Dr. Torsten Bauer. „Das dauert keine zwei Wochen, dann ist klar, wo es herkommt.“
Das Gesundheitsamt hat am Vormittag damit begonnen, Kontaktpersonen des erkrankten vierjährigen Kita-Kindes zu testen. Auch im familiären Umfeld werden zehn Personen untersucht, wie eine Sprecherin des Landkreises Oberspreewald-Lausitz sagte. Die Eltern des Kindes seien bereits negativ getestet. Insgesamt sollen rund 130 Menschen getestet werden, darunter Personal und Kinder aus der Kita.
Begegnungen in Bus und Bahn kein Ansteckungsrisiko
Für eine Ansteckung ist ein längerer und enger Kontakt erforderlich. „Es braucht einen engeren Kontakt als für Windpocken und Influenza“, sagte Bauer, der Chefarzt für Pneumologie am Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin ist. Als Richtwert gelten ihm zufolge vier bis acht Stunden Aufenthalt in einem geschlossenen Raum mit einer an Lungentuberkulose erkrankten Person. Begegnungen etwa im öffentlichen Nahverkehr reichten für eine Ansteckung nicht aus.
Chefarzt: Keine bleibenden Schäden
Sollte eine ansteckende Tuberkulose (TBC) festgestellt werden, folgt dem Spezialisten zufolge eine Krankenhaus-Behandlung mit zeitweiliger Isolation, um weitere Übertragungen zu verhindern. Nach zwei bis drei Wochen könne die Tabletten-Therapie mit Antibiotika meist zu Hause fortgesetzt werden. Grund zu Panik besteht nicht: „Wird Tuberkulose früh erkannt und schnell behandelt, heilt sie in der Regel ohne bleibende Schäden aus.“
Wie häufig ist Tuberkulose in Deutschland?
TBC ist heute in Deutschland eine sehr seltene Erkrankung, die aber dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss. Sie lässt sich in der Regel gut behandeln. Weltweit ist sie aber noch immer die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit.
Im Jahr 2024 wurden laut Robert Koch-Institut 4391 Neuerkrankungen in Deutschland registriert – das entspricht einer Inzidenz von 5,2 Fällen pro 100.000 Einwohner. Damit ist die Zahl im Vergleich zu 2023 leicht zurückgegangen (2023: 4494 Fälle). Bei Kindern wurden 228 Fälle gemeldet, darunter am häufigsten bei Kleinkindern unter fünf Jahren.
Das RKI schreibt auch: „Es wird deutlich, dass internationale Migration und Mobilität aus Krisengebieten die Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland maßgeblich mitbestimmen.“
Wie steckt man sich an?
Übertragen wird TBC bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch. Dies geschieht per Tröpfchen-Infektion, das heißt durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen, die von erkrankten Personen freigesetzt werden – insbesondere beim Husten. Wie das DZK auf seiner Homepage schreibt, ist die Gefahr, schwer zu erkranken, bei Kindern größer, weil ihr Immunsystem noch nicht so gut entwickelt ist.
Welche Symptome zeigen sich bei Tuberkulose?
TBC manifestiert sich laut RKI in etwa drei Viertel der Fälle als Lungentuberkulose. Klassische Symptome sind länger bestehender Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust. Die Erkrankung kann aber jedes Organ betreffen. Eine frühzeitige Diagnose mit umgehend eingeleiteter wirksamer Therapie sowie die Untersuchung infektionsgefährdeter Personen im Umfeld sind daher wichtig, um Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen, wie das RKI in seinem Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2024 schrieb. Deshalb werden nun mögliche Kontaktpersonen im Umfeld des Kita-Kindes in Südbrandenburg getestet.
Bei Verdacht auf Tuberkulose erfolgt in der Regel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes und der Lunge sowie eine Untersuchung von Auswurf.
Wie gut ist Tuberkulose behandelbar?
Tuberkulose wird mit einer Kombination mehrerer Medikamente behandelt und ist in der Regel heilbar. Die Therapie mit Antibiotika dauert nach Darstellung von Medizinern etwa sechs Monate. Aber nicht alle Erkrankten sind ansteckend – eine Übertragung ist vor allem bei unbehandelter Lungentuberkulose möglich.
Solange eine Tuberkulose ansteckend ist, müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, wie das DZK mitteilte. Eine wirksame Impfung, die eine Erkrankung oder Ansteckung verhindert, gibt es laut Experten nicht. In der Regel wird die Behandlung einer Tuberkulose im Krankenhaus begonnen. Patienten werden in einem Einzelzimmer isoliert untergebracht, bis kein Ansteckungsrisiko für andere mehr vorliegt – „was meist schon nach wenigen Wochen wirksamer Therapie der Fall ist“, wie das Kompetenzzentrum schildert. Für Kontakte zu anderen Menschen ist Mund-Nasen-Schutz wichtig.