Transplantationsskandal

Besser über Organspenden aufklären dpa, 03.11.2016 11:27 Uhr

Besser aufklären: Nach den vielen Skandalen um Organspenden gibt es zu wenige Spender. Foto: Elke Hinkelbein
Frankfurt/Berlin - 

Nach dem Vertrauensverlust durch den Transplantationsskandal will Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bei den Bürgern intensiv für Organspenden werben. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich verloren gegangenes Vertrauen nur langsam zurückgewinnen lässt“, sagte Gröhe. 

Über 10.000 schwerkranke Menschen warten in Deutschland verzweifelt auf ein Spendeorgan. Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Organ gefunden wird“, betonte Gröhe.

Vor einigen Jahren ließen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen die Spendebereitschaft zurückgehen. Ärzte hatten ihre Patienten kränker erscheinen lassen als sie tatsächlich waren, um in der Liste der potenziellen Empfänger nach oben zu klettern.

Den mehr als 10.000 Menschen in Deutschland, die auf ein Spenderorgan hoffen, standen 2015 laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) 877 Organspenden gegenüber, etwas mehr als 2014 mit 864 Spenden. Vor dem Skandal lag die Zahl höher, aber immer noch weit entfernt von der Zahl benötigter Organe: 2010 waren es 1296 Organspenden, 2011 lagen sie bei 1200, 2012 bei 1046. Am Donnerstag beginnt ein zweitägiger Kongress der DSO in Frankfurt.

Um das Vertrauen zurückzugewinnen, „das 2012 durch die schweren Verfehlungen an einzelnen Kliniken erschüttert wurde, (...) müssen alle Beteiligten mitwirken, also Ärzte, Krankenhäuser, die Deutsche Stiftung Organspende und der Gesetzgeber“, sagte Gröhe.

„Fast drei Viertel (69 Prozent) der Menschen in Deutschland sagen, dass sie zu einer Organspende grundsätzlich bereit sind. Trotzdem besitzt nur jeder Dritte (32 Prozent) einen Organspendeausweis.“ Das bedeute: „Wir müssen weiter über die Organspende sachlich aufklären und für die Organspende werben“, forderte Gröhe.

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, verlangte ebenfalls mehr Aufklärung über Organspenden. Zudem müssten die Kliniken dafür finanziell besser ausgestattet werden, sagte er.

Im Übrigen sei der Transplantationsskandal 2012 nur ein Grund für das weitere Absacken der Spenderzahlen gewesen. „Wesentlich wichtiger ist die nach wie vor nicht ausreichende Finanzierung der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern sowie der Ausgleich sogenannter Vorhaltekosten für die Organentnahme. Auch Angehörigengespräche mit speziell geschultem Personal müssen auskömmlich bezahlt werden“, sagte der BÄK-Chef und fügte hinzu: „Hier sind die Krankenkassen immer noch ein großer Bremsklotz.“

Eine sogenannte Widerspruchslösung, bei dem jeder Versicherte grundsätzlich als Spender eingestuft wird, es sei denn, er spricht sich eindeutig dagegen aus, hält Montgomery in Deutschland kaum für durchsetzbar. In der Ärzteschaft gebe es zwar viel Sympathie dafür gegeben. Doch die Realität im Land sehe anders aus.

Gröhe argumentierte dagegen, der Bundestag habe einmütig für die sogenannte Entscheidungslösung gestimmt. „Ich bin von dieser Regelung überzeugt, denn die Entscheidung für die Organspende ist eine ganz persönliche. Sie sollte immer eine eigene, freiwillige, informierte und vor allem eine bewusst getroffene Entscheidung sein.“

Um die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen eine Organspende abzubauen, soll auch ein zentrales Transplantationsregister mehr Transparenz bringen. Gesetzliche sowie private Krankenkassen müssen nun ihre Versicherten ab 16 Jahren alle zwei Jahre über Organspende und Organspendeausweis informieren.