Zuschaltung aus der Ferne

Thüringen: Zwei Telenotärzte immer erreichbar 04.05.2026 13:01 Uhr

Berlin - 

Wenn der nächste Notarzt zu weit entfernt ist, können Rettungskräfte im Einsatz in Thüringen jetzt flächendeckend digitale ärztliche Unterstützung für die Erstversorgung von Patienten heranziehen. Dafür sind täglich rund um die Uhr zwei sogenannte Telenotärzte verfügbar, wie die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) in Weimar mitteilte. Diese können bis zum Eintreffen des Notarztes am Einsatzort aus der Ferne zugeschaltet werden und die Rettungskräfte bei medizinischen Maßnahmen anleiten.

Dafür wurden Rettungswagen mit Tablets zur Echtzeit-Übertragung wichtiger Daten zum Zustand von Patienten wie Herz- und Atemfrequenz oder Blutdruck ausgerüstet und in der KVT-Zentrale in Weimar zwei Arbeitsplätze für Telenotärzte geschaffen. Unter den 900 Notärzten in Thüringen sind laut KVT derzeit 37 Telenotärzte.

Millionenförderung vom Land

Das Land hat die Digitalisierung der Rettungskette – vom Notfalleinsatz bis zur Behandlung im Krankenhaus – den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren mit rund vier Millionen Euro gefördert. Die Mittel flossen etwa in die Vernetzung von Rettungswagen mit den Krankenhäusern. Dies ermöglicht unter anderem die digitale Anmeldung von Patienten in Kliniken vom Rettungswagen aus. Kliniken wiederum können ihre Behandlungskapazitäten in Echtzeit eingeben, damit die Rettungskräfte erkennen, ob die Häuser im konkreten Notfall überhaupt Patienten übernehmen können.

In Thüringen werden nach Angaben eines KVT-Sprechers jährlich Zehntausende Notarzteinsätze gefahren.

„Ich bin froh und zugleich stolz darauf, dass wir als erstes Bundesland die rechtlichen und tatsächlichen Grundlagen dafür schaffen konnten, um Rettung für die Einsatzkräfte noch effizienter und für den Bürger noch nachhaltiger machen zu können. Wir reden nicht nur von Digitalisierung, sondern setzen es hier praktisch sinnvoll um. Die Einführung des Telenotarztsystems ist ein besonderes Zeichen für gelungene Zusammenarbeit zwischen dem Innen- und Gesundheitsressort“, so der Thüringer Innenminister Georg Maier.

Dr. Annette Rommel, erste Vorsitzende der KVT ergänzt: „Mit dem Telenotarzt können wir in Notfällen noch schneller ärztliche Hilfe zum Patienten bringen, in ganz Thüringen und zu jeder Zeit. An den bewährten Strukturen der Notärzte im Einsatz ändert sich dabei nichts. Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen die Versorgung der Patienten verbessern. Denn wenn es hart auf hart kommt, kann der Einsatz eines Telenotarztes Leben retten. Wir danken den regionalen Krankenkassen herzlich dafür, dass sie den Gewinn dieser Maßnahme früh erkannt haben und die Kosten für das Projekt schon übernahmen, als es noch keine gesetzliche Grundlage gab. Dem Land Thüringen danken wir für die Weitsicht, den Telenotarzt im Gesetz zu verankern und mit den nötigen Fördermitteln ans Netz zu bringen.“