Monatshygiene

Tampons und Menstruationstassen im Test Nadine Tröbitscher, 26.10.2017 13:08 Uhr

Berlin - 

Die Monatshygiene ist nicht nur sehr intim, sondern auch polarisierend. Seit einiger Zeit erfreuen sich Menstruationstassen wachsender Beliebtheit. Die kleinen flexiblen Becher versprechen Freiheit während der Periode und weniger Müll, denn sie fangen das Menstruationsblut auf und können ausgewaschen, ausgekocht und weiter verwendet werden. Wie gut sind Tampons und Cups? Öko-Test nahm beide Produktgruppen unter die Lupe.

Tampon, Binde oder Menstruationstasse – nicht jede Monatshygiene ist für jede Frau geeignet. In den Jahren 2013 bis 2016 war laut einer Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) der Tampon das wichtigste und meistverwendete Hygieneprodukt. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, auf den Tampon zu setzen. Aber auch bei der monatlichen Blutung rückt der Nachhaltigkeitsgedanke mehr und mehr in den Vordergrund. Waschbare Einlagen sind zwar eine umweltfreundliche Alternative, aber im Alltag nur wenig praktikabel. Öko-Test untersuchte sechs Menstruationstassen, die für Frauen mit einem guten Gefühl zum eigenen Körper versprechen, eine echte Alternative zum Tampon zu sein.

Fünf der sechs Cups sind aus Silikon, so wie der Großteil aller erhältlichen Tassen. Ein Produkt, Me Luna Classic, war aus einem thermostabilen Kunststoff, TPE, gefertigt. Die Produkte wurden einem strengen Materialscreening unterzogen. Auffällig dabei war der Diva Cup 2. Für das Modell wurde Benzophenon nachgewiesen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (LARC) spricht der Substanz zu, „möglicherweise krebserregend“ zu sein. Die Tester wollten wissen, wieviel Benzophenon sich aus dem Cup löst und bezogen sich in der Beurteilung auf den Grenzwert von 0,6 mg/kg, der für Bedarfsgegenstände mit Lebensmittelkontakt gilt – der Wert wurde überschritten und der Diva Cup 2 kam nicht über die schlechteste Benotung im Test – „mangelhaft“ – hinaus.

Schwächen zeigten jedoch auch die aus Silikon gefertigten Menstruationstassen. Aus dem Material können sich flüchtige Bestandteile lösen. Auch hier bezogen sich die Tester auf den Grenzwert für Bedarfsgegenstände mit Lebensmittelkontakt. Drei Produkte wurden abgestuft, da mehr als 0,5 Prozent flüchtige Bestandteile nachgewiesen werden konnten. Ruby Cup, Lady Cup und Femmycycle Cup erhielten die Gesamtnote „gut“. Me Luna Classic und Intimina Lily Cup sind die Sieger unter den Tassen und erhielten die Gesamtnot „sehr gut“.

Ein weiterer Testparameter war die Produktinformation. Sowohl Tampons als auch Cups sollten einen Hinweis auf das Toxische Schocksyndrom (TSS) enthalten, fehlte dieser wurde abgestuft. Das ernüchternde Ergebnis: nur zwei Hersteller der Tassen wiesen auf das seltene, schwerwiegende Kreislauf- und Organversagen hin, das sich durch plötzliches hohes Fieber, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Halsschmerzen, Schwindel oder Ohnmacht während der Periode bemerkbar macht. Besser sieht es bei den Tampons aus, alle Produktinformationen enthielten einen entsprechenden Hinweis.

Auch sonst konnten die Tampons die Tester überzeugen. Insgesamt vergaben die Experten 14 mal die Note „sehr gut“. Unter den Siegern sind auch die drei Bioprodukte aus Baumwolle. Einzig U By Camelia erhielt im Gesamtergebnis die Note „gut“. Das Produkt wurde aufgrund nachgewiesener halogenorganischer Verbindungen abgestuft. Bei allen Tampons zeigten sich die Tester bezogen auf die Parameter Faserverlust, Reißfestigkeit des Rückholfadens und Saugstärke laut Tröpfchenzahl zufrieden. Auch bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe wie Pestizide, Formaldehyd und optische Aufheller konnten nicht nachgewiesen werden.

„Saugstark und sauber“, so das Fazit für die Tampons. Untersucht wurde die Saugleistung in einer sogenannten Syngia, einer synthetischen Prüfvagina. Produkte mit der Deklaration von zwei Tropfen besitzen eine Saugleistung von sechs bis neun Gramm, drei Tropfen stehen für neun bis zwölf Gramm.

Für welches Hygieneprodukt sich Frau entscheidet, obliegt dem eigenen Empfinden und Körpergefühl. Menstruationstassen stehen zahlreiche Vorurteile gegenüber. Die Modelle sind in unterschiedlichen Größen erhältlich, jedoch ist nicht die Passform, sondern die Hygiene die größte Sorge. Die Tasse kann in der Toilette geleert, ausgespült und wieder eingesetzt werden. Zudem wird empfohlen den Cup vor der ersten Benutzung und nach jeder Periode für 20 Minuten auszukochen. Um ein Verkleben mit dem Topf zu verhindern, sollte der Cup in einen Schneebesen gelegt werden. Nicht geeignet ist eine Menstruationstasse während einer Infektion, nach einer vaginalen Operation oder nach einer Geburt.