Streeck: Menschen wurde in Pandemie Unrecht getan 20.01.2026 16:17 Uhr
Lernen und verzeihen: Der Virologe Hendrik Streeck hält eine Aufarbeitung der Corona-Pandemie für entscheidend und hat Verständnis für die Wut mancher Menschen gezeigt. „Wir sind mit Teilen der Bevölkerung nicht gut umgegangen in der Pandemie“, sagte Streeck im Corona-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags in Erfurt. Der 48-Jährige war während der Corona-Pandemie durch zahlreiche Auftritte in den Medien einer der bekanntesten Wissenschaftler des Landes. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 zog der Mediziner für die CDU in den Deutschen Bundestag ein. Inzwischen ist Streeck Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung.
„Nur wenn wir lernen, können wir in der Zukunft Fehler vermeiden“, sagte Streeck in seinem Eingangsstatement im Untersuchungsausschuss. Nur dann könne man um Verzeihung bitten und auch verzeihen. „Ja, es gibt Menschen, denen Unrecht angetan wurde.“ Der Virologe wurde auf Antrag der Fraktionen von CDU, BSW und SPD geladen, die in Thüringen das Regierungsbündnis bilden.
Die oppositionelle AfD-Fraktion hatte den Mathematiker Gerd Antes eingeladen, der die Datengrundlage für bestimmte Studien in der Corona-Pandemie kritisierte. Auch Daten, die für Entscheidungen in der Corona-Pandemie in Deutschland herangezogen wurden, kritisierte er: So seien etwa die Daten aus den Intensivstationen „mit extremer Vorsicht“ zu genießen, sagte Antes. Seiner Einschätzung nach sei im Sommer 2020 klar gewesen, dass das Virus nicht eingedämmt werden könne. Die Corona-Maßnahmen seien überzogen gewesen.
Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen
Streeck führte aus, dass es viele Gründe für Wut bei einigen Menschen gebe – etwa auf diejenigen, die das Virus ignorierten oder durchrauschen ließen. Oder auf Menschen, die Ungeimpfte ausgrenzten. Streeck sieht auch Schulschließungen kritisch, die zu einem Anstieg der psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen geführt hätten. „Das ist echte Wut, das sind echte Schmerzen, das ist echter Groll“, sagte er. Zugleich betonte er, dass es in einer Krise keine perfekten Entscheidungen gibt. „Kann so eine Krise, wie wir sie erlebt haben, überhaupt ohne Unrecht stattfinden?“
Der Corona-Untersuchungsausschuss soll Fehler und Versäumnisse der Politik in der Corona-Pandemie aufklären und Handlungsempfehlungen für die Zukunft ableiten. Neben dem Untersuchungsausschuss gibt es in Thüringen noch eine Enquete-Kommission, die auf die Erfahrungen blickt, die in der Corona-Pandemie gesammelt wurden, und Handlungsempfehlungen für künftige Pandemie- oder sonstige Gesundheitskrisenlagen erarbeiten soll.
Die AfD-Abgeordnete Wiebke Muhsal kritisierte den Auftritt von Streeck im Untersuchungsausschuss. Sie warf ihm vor, dass zwischen seiner Rolle als Wissenschaftler und seiner jetzigen Rolle als CDU-Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung „ein Spannungsverhältnis“ vorliege. „Meines Erachtens sind wir heute in Bezug auf den Untersuchungsauftrag nicht sehr viel weiter gekommen“, sagte sie in einer Mitteilung.