DIN EN ISO 12312-2

Sonnenfinsternis: Warum Sonnenbrillen morgen nicht reichen 11.08.2026 15:12 Uhr

Berlin - 

Morgen schiebt sich der Mond vor die Sonne und verdeckt sie fast vollständig. Wer das Naturphänomen beobachten will, sollte die passende Brille tragen. Wer nicht auf die richtige EU-Norm achtet, riskiert irreparable Netzhautschäden. 

DIN EN ISO 12312-2 ist die gültige Norm, die eine Sonnenfinsternisbrille neben dem CE-Symbol tragen muss. Die spezielle Brille hat besondere Filtereigenschaften und lässt maximal 0,001 Prozent des Sonnenlichts durch. Vor der Verwendung sollte kontrolliert werden, ob der Filter Kratzer, Löcher oder andere Schäden aufweist. Erste Anlaufstelle für eine Sonnenfinsternisbrille sind Optiker, auch wenn hier bereits Tage vorher teils keine der Brillen mehr vorrätig war.

Aber auch einzelne Apotheken haben die Brillen kurzfristig ins Programm genommen. So warb beispielsweise die Ickerner Markt-Apotheke in Castrop-Rauxel damit, die Brillen abzugeben: „Ab sofort erhält bei uns in der Ickerner Markt-Apotheke jede Kundin und jeder Kunde eine Sonnenfinsternis-Brille geschenkt – solange der Vorrat reicht! Kommt vorbei, sichert euch eure Brille und erlebt die Sonnenfinsternis sicher und in guter Gesellschaft mit uns“, hieß es auf den Social-Media-Kanälen. Doch nach kurzer Zeit waren sie auch hier schon wieder vergriffen.

Wer keine Brille mehr ergattert, kann auf eine Lochkamera – Camera opscura – setzen. Sie lässt sich selbst bauen und projiziert das Bild der Sonne durch ein kleines Loch im Karton auf eine helle Fläche.

Ferngläser, Teleskope oder Kameras ohne geeigneten Filter sind tabu, denn sie bündeln die Sonnenstrahlen und können Augenschäden massiv verstärken. Wer dennoch eine Kamera nutzen will, sollte einen speziellen Filteraufsatz benutzen.

No-Gos aus dem Netz

Das Bundesinstitut für Strahlenschutz warnt zudem vor gefährlichen Tipps aus dem Internet. Schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, normale Sonnenbrillen, Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs bieten keinen zuverlässigen Schutz und sind daher tabu.

Hornhaut und Augenlinse bündeln das einfallende Licht auf der Netzhaut. Die Strahlungsenergie trifft dabei vor allem auf die Makula. Nach heutigem Kenntnisstand entsteht die sogenannte solare Retinopathie hauptsächlich durch photochemische Prozesse. Energiereiches Licht kann reaktive Moleküle bilden, die Fotorezeptoren und weitere Zellen der Netzhaut schädigen. Weil die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt, fällt eine Schädigung häufig erst später auf.

Auch Handy-Kamera in Gefahr

Nicht nur das Auge kann Schaden nehmen. Auch der Bildsensor einer Handy-Kamera kann durch direktes und längeres Ausrichten auf die Sonne beschädigt werden. Das Objektiv bündelt das intensive Sonnenlicht auf dem Bildsensor. Dadurch können sich einzelne Bereiche stark erhitzen und die lichtempfindlichen Pixel sowie die darüberliegenden Filter dauerhaft beschädigt werden. Sichtbar wird das später etwa durch helle Flecken, Linien oder tote Pixel auf den Aufnahmen.

Die Sonnenfinsternis kann morgen zwischen 19:11 Uhr und 21:03 Uhr beobachtet werden. Wie dunkel es wird, hängt vom Standort ab. In Freiburg werden mehr als 89 Prozent der Sonne bedeckt sein, in der Hauptstadt sind es knapp 84 Prozent.