„Safe Space“: „Der erste Schritt ist der schwerste“ 13.05.2026 13:40 Uhr
Spätestens seit der Coronapandemie werden die psychologischen Probleme von Kindern und Jugendlichen in der Öffentlichkeit diskutiert – trotzdem ist der erste Schritt, sich Hilfe zu suchen, immer noch schwer. Um Jugendlichen selbst eine Hilfestellung zu geben, haben sich bereits 2019 Jugendliche selbst zur Jugendinitiative „Our Generation Z“ zusammengeschlossen, um Ansprechpartner in der eigenen Altersgruppe zu bieten. Auf Initiative der Organisation sind die Safe-Space-Apotheken entstanden – niedrigschwellige Angebote, um Jugendliche an lokale Hilfsangebote zu vermitteln. In mehreren Bundesländern gibt es solche Anlaufstellen bereits – auch Thüringen ist nun auf der Landkarte der „Safe Space“-Apotheken vertreten.
Für Jugendliche mit psychischen Belastungen können Apotheken als geschützte Räume ein erstes Hilfsangebot sein. Bundesweit gibt es bereits über 40 Safe-Space-Apotheken. In Erfurt finden junge Menschen seit gestern in der Altstadt-Apotheke und der Stadtpark-Apotheke kostenlose und vertrauliche Hilfestellung bei der Suche nach Unterstützung.
„Wir verstehen uns als Brücke zur Hilfe vor Ort“, erklärte Inhaberin Anna Lihs zum Start des Angebots. Die Apotheke sei vernetzt mit dem städtischen Jugendamt und verschiedenen Beratungsstellen, die für die jeweiligen Anliegen der Jugendlichen geeignet seien. In die Apotheke könnten die jungen Ratsuchenden anonym und ohne Terminvereinbarung kommen. Sie erfülle dabei eine Lotsenfunktion und mache selbst keine psychologischen Angebote, stellte Lihs klar. „Wir beraten nicht und ersetzten psychologische Behandlung nicht – wir lotsen.“ Ziel sei, ein flächendeckendes Netz aufzubauen – ohne Parallelstrukturen zu schaffen.
Die Apothekerin will Jugendlichen eine Anlaufstelle für den Erstkontakt und die Orientierung bieten. „Es ist nicht so, dass es keine Hilfe gibt, aber der erste Schritt ist der schwerste und da wollen wir ansetzen“, so die Apothekerin. Es gehe darum, sich den Bedarf der Jugendlichen anzuhören, passende Angebote zu vermitteln und je nach Wunsch auch beim Erstkontakt zu unterstützen.
„Je früher Jugendliche Hilfe bekommen und annehmen, desto besser“, betont Lihs.
Angebot für den ersten Schritt
Hintergrund des Angebots, das durch die bundesweit aktive Jugendinitiative zustande gekommen ist, sind die zunehmenden psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen. Es fehlt an Psychotherapieplätzen, entsprechend lang sind die Wartezeiten. Nicht selten scheuen Teenager auch den Weg zum Therapeuten oder Arzt.
Ministerin lobt Engagement
Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) habe die Problematik richtig erkannt und „Our Generation Z“ gelobt und war zur Eröffnung der ersten Safe-Space-Apotheke im Land dabei. Jugendliche würden nicht nur problem-, sondern lösungsorientiert denken, berichtete Lihs. Apotheken seien als niedrigschwellige, wohnortnahe Anlaufstellen die idealen Partner. Die Safe-Space-Apotheken würden damit eine Lotsenfunktion und eine wichtige soziale Aufgabe zusätzlich zu ihrem Versorgungsauftrag übernehmen.
Für Kinder und Jugendliche in Not gibt es in Thüringen bereits ein landesweites Netz an sogenannten Kindernotinseln, an dem sich auch viele Apotheken beteiligen. Ihr Konzept unterscheidet sich laut Gesundheitsministerium von dem der „Safe Spaces“: Die Notinseln sollten Kindern vor allem bei drohender Gewalt Zuflucht bieten, sagte eine Sprecherin.