Rezeptfälscher-Bande: Anrufer in Schule festgenommen 10.02.2026 07:51 Uhr
Der Münchener Polizei ist ein Coup in Sachen Rezeptfälschungen gelungen. Bundesweit konnten Beteiligte einer mutmaßlichen Bande festgenommen worden. Dabei spielte ein 15-Jähriger eine zentrale Rolle: Er soll von Berlin aus die Bestellanrufe in Apotheken im ganzen Bundesgebiet übernommen haben. Festgenommen wurde er in der Schule, wie die Polizei berichtet. Der Schüler wurde mittlerweile wieder freigelassen, viele andere mutmaßliche Täter aus insgesamt zwei Banden sitzen aber in Untersuchungshaft.
Den Ablauf der aufgetauchten Rezeptfälschungen schildert die Polizei: Im vergangenen November „bestellte eine zu diesem Zeitpunkt unbekannte männliche Person bei einer Apotheke in Unterföhring telefonisch ein hochpreisiges Arzneimittel vor. Rezepte für unter anderem dieses Arzneimittel hatten sich in der Vergangenheit bereits mehrfach als gefälscht herausgestellt“.
Zwei Tage später habe ein Mann die Apotheke betreten. Die vorgelegte Rezeptfälschung sei dem Mitarbeiter aber aufgefallen, weshalb der Mann die Apotheke ohne Beute verließ. Einen Tag später versuchte ein Mann auch in einer Apotheke am Laimer Platz in München ein gefälschtes Rezept einzulösen. Ein Mitarbeiter habe daraufhin die Polizei verständigt, der Tatverdächtige konnte noch vor Ort festgenommen werden.
Fälle hängen zusammen
Der 25-Jährige habe eine moldauische Staatsangehörigkeit und keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Ermittlungen hätten dann ergeben, dass der Mann auch mit den Vorfällen in Unterföhring sowie weiteren Fällen von Rezeptfälschung in Verbindung zu bringen sei.
Anschließende Ermittlungen führten zu einem noch unbekannten Anrufer aus Berlin, der täglich viele Apotheken im gesamten Bundesgebiet für die Einlösung gefälschter Rezepte kontaktierte. Zudem konnten auch Postsendungen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin aufgegriffen werden. Enthalten waren Hochpreiser, die über gefälschte Rezepte in Baden-Württemberg und Niedersachsen illegal beschafft werden konnten.
Über einen Durchsuchungsbeschluss für einen der Absender konnte ein 35-jähriger Ukrainer und Wohnsitz in Hessen ermittelt werden. Zudem fand man bei ihm viele Arzneimittel und gefälschte Rezepte. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.
Als Anrufer konnte ein 15-jähriger Schüler überführt werden. Er wurde vom Landeskriminalamt (LKA) am 21. November in seiner Schule festgenommen. Auch er ist moldauischer Staatsbürger. Bei den anschließenden Durchsuchungsmaßnahmen in der elterlichen Wohnung konnte das entsprechende Handy mitsamt der verwendeten SIM-Karte für seine Apothekenanrufe gefunden werden. Nach den polizeilichen Maßnahmen wurde er wieder entlassen.
„Der Warenwert aller sichergestellten Arzneimittel und noch nicht eingelöster Rezepte liegt derzeit im sechsstelligen Bereich“, so die Polizei Bayern.
Weitere Täter gefasst – Schaden von mehreren zehntausend Euro
Im Dezember landete man einen weiteren Ermittlungserfolg: Am 17. Dezember konnten drei Münchener Beamte zusammen mit dem LKA Berlin und einer eingesetzten Berliner Hundertschaft insgesamt 13 Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts München vollziehen. Gefunden wurden weitere Arzneimittel sowie zahlreiches Diebesgut wie Mobiltelefone. Einen Tag zuvor nahm die Polizei bereits einen 25-jährigen Ukrainer fest, der ein Rezept einlösen wollte. Bei ihm wurde auch eine Postquittung für ein Paket nach Berlin gefunden.
In der Folge konnten die Münchener Beamten im Rahmen des Aufenthalts in Berlin einen 33-jährigen moldauischen Staatsbürger ohne festen Wohnsitz in Deutschland bei der Abholung eines Pakets festnehmen. Bei ihm konnten weitere Packungen von Krebsmedikamenten sowie über 20 gefälschte Rezepte in vorbereiteten Versandkuverts beschlagnahmt werden. Mittlerweile sitzt der Mann in einer Justizvollzugsanstalt in Bayern.
In diesem Zusammenhang konnte ein weiterer 32-jähriger Tatverdächtiger ermittelt werden, auch er ist moldauischer Staatsbürger ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Ihm konnten Einlösungen gefälschter Rezepte in verschiedenen Städten in Norddeutschland, unter anderem in Hamburg, telefonische Vorbestellungen in einer Vielzahl von Apotheken sowie sogenannte „Beschaffungsfahrten“ zur Last gelegt werden.
Tatverdächtiger in flagranti beim Drucken erwischt
Der Mann wurde am 16. Januar festgenommen, als er gerade von einer viertägigen „Beschaffungsfahrt“ durch die verschiedenen Städte in Norddeutschland zu seiner Unterkunft in Potsdam zurückkehrte. Da gegen ihn bereits aufgrund der gewerbsmäßigen Begehung der Urkundenfälschung Haftbefehl durch das Amtsgericht München erlassen worden war, wurde er vor Ort von den Beamten verhaftet. Im Auto wurden weitere Blankorezepte sowie gefälschte Rezepte gefunden.
Als seine Räume durchsucht wurden, konnte ein weiterer Tatverdächtiger auf frischer Tat beim Erstellen gefälschter Rezepte festgenommen werden: „Der 43-jährige moldauische Staatsbürger, ebenfalls ohne festen Wohnsitz in Deutschland, saß vor einem angeschalteten Laptop mit angeschlossenem Drucker. In der Wohnung lagen zahlreiche Blankorezepte“, erklärt die Polizei.
Auf der Rückkehr von der „Beschaffungsfahrt“ hatte der 32-Jährige noch einen weiteren Mann dabei. Auch gegen ihn wird ermittelt, alle Männer sitzen in bayrischen Justizvollzugsanstalten.
Der Warenwert der nicht eingelösten Rezepte liegt im fünfstelligen Bereich. Die Ermittlungen in mehreren Verfahren lieferten eindeutige Hinweise auf einen Weiterverkauf der erlangten Arzneimittel ins osteuropäische Ausland und nach Russland, so die Polizei.
Moldauer, die „familiär verstrickt“ sind
Beim zuständigen Kommissariat 84 gibt es laut Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) eine Liste von 500 Personen, die bundesweit im Zusammenhang mit gefälschten Rezepten stehen. Hintermänner seien vor allem Moldauer, die „familiär verstrickt“ sind, wie Christian Kruse zitiert wird. Abholer seien zumeist mindestens „Personen, die der kyrillischen Schrift mächtig sind“, häufig angeworben über Telegram für 50 bis 100 Euro.
Standen zunächst vor allem Abnehmspritzen auf den plötzlich in Masse auftretenden Muster-16-Rezeptfälschungen, seien es inzwischen vermehrt Krebsmittel, Wachstumshormone, Präparate gegen Lungenhochdruck, Hepatitis und Dermatitis. „Es sieht so aus, als ob Bestellungen eingehen bei den Tätern“, so Kruse zur SZ.