Einfallstor für Fälschungen

Plusminus: Arzneimittelpackungen als Sicherheitrisiko 20.08.2026 17:30 Uhr

Berlin - 

Mit viel Aufwand wird jede Arzneimittelpackung serialisiert und in den Apotheken bei der Abgabe ausgebucht. Doch der beste Fälschungsschutz bringt nichts, wenn sich die Packung öffnen und der Inhalt austauschen lässt. „Plusminus“ ist der Sache auf den Grund gegangen.

Ein französischer Pharmahändler hat laut Bericht die massive Sicherheitslücke entdeckt: Mit einem Bügeleisen könne der Kleber, mit dem die Seitenlaschen verschlossen sind, verflüssigt werden. So ließen sich die Schachtel öffnen und der Inhalt austauschen – nach dem Abkühlen lasse sich die Packung wieder verschließen, ohne dass der Eingriff nachzuvollziehen sei. Ähnlich anfällig seien Schutzsiegel, die sich mit einem heißen Messer ebenso öffnen ließen.

Der Pharmahändler habe die Sache gemeldet, doch seit zwei Jahren sei nichts passiert. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) habe auf die nationalen Behörden verwiesen, die der Sache bislang nicht nachgegangen seien. Lediglich die slowenische Arzneimittelbehörde habe vor einer gravierenden Sicherheitslücke gewarnt.

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) habe einen Hinweis erhalten, aber keinen Handlungsbedarf gesehen.

Dabei habe ein staatliches Labor die Sache geprüft: In einem Gutachten sei das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zu dem Schluss gekommen, dass es sich um ein ungenügendes Sicherheitsmerkmal handele: „Somit besteht die Gefahr, dass der Inhalt des Fertigarzneimittels mit geringstem Aufwand manipuliert werden kann, ohne Anzeichen einer Fremdeinwirkung.“

Im Beitrag warnt auch Professor Dr. Arndt Sinn von der Universität Osnabrück davor, dass die Lieferkette infiltriert und Patienten so zu Schaden kommen könnten. Außerdem seien Szenarien denkbar, in denen es zu Sabotage käme, um Pharmahersteller zu erpressen.

Apotheker Franz Stadler räumt ein, dass bei der Abgabe nur die Seriennummer geprüft werde. Und eine Patientin, die 20 Medikamente einnehmen muss, kritisiert, dass ein USB-Stick für 4,99 Euro besser gesichert sei.

Laut Bericht machen Fälscher sich die Lücke bereits zunutze. Dabei würden der Inhalt und der Karton separat verkauft: „Eine Packung, doppelter Gewinn“, heißt es im Beitrag.

Und das Problem sei weit verbreitet: Bei einer Untersuchung seien 19 von 26 Packungen als unzureichend geschützt eingestuft worden.

Dabei sei die Sache leicht zu lösen: Der französische Pharmahändler verweist darauf, dass man den Karton auch physisch sichern könne.