„Pflegesetz verteilt Probleme nur um“ 17.09.2026 14:39 Uhr
Die professionelle Pflege steht weiterhin unter erheblichem Druck. Politische Reformen, wirtschaftliche Unsicherheiten und der anhaltende Personalmangel stellen Pflegeunternehmen vor große Herausforderungen. Auf der Bundesmitgliederversammlung des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) in Magdeburg ging es um die politischen Weichenstellungen für die kommenden Jahre. Im Fokus standen insbesondere die geplanten Veränderungen durch das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sowie die wirtschaftlichen und personellen Rahmenbedingungen der Pflege.
Der VDAB machte deutlich, dass die notwendigen Veränderungen nicht zulasten einer verlässlichen Versorgung und der wirtschaftlichen Stabilität der Einrichtungen gehen dürfen. „Die Pflege braucht eine Reform, die ihren Namen verdient. Wir dürfen nicht den Fehler machen, finanzielle Probleme einfach zu verschieben oder Leistungen zu begrenzen. Wer die Pflege langfristig sichern will, muss die Einrichtungen wirtschaftlich stärken, für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen und gleichzeitig den Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen ermöglichen“, erklärte der Bundesvorsitzende Stephan Baumann.
Kritisch bewertet der VDAB insbesondere den aktuellen Reformansatz. „Eine echte Reform muss die Probleme der Pflege lösen – und darf sie nicht nur neu verteilen. Der Fachkräftemangel, die Sicherung der Versorgung vor Ort und die wirtschaftliche Stabilität der Pflegeunternehmen verschwinden nicht dadurch, dass man an anderer Stelle den Rotstift ansetzt“, so Baumann.
Zugleich gebe es Chancen in neuen Versorgungs- und Organisationsformen sowie in einem stärkeren Einsatz von Digitalisierung und Technologie. „Wir brauchen mehr Mut zu Innovation. Neue Wege in der Versorgung und der Einsatz digitaler Lösungen können Pflegekräfte entlasten und Einrichtungen neue Handlungsspielräume eröffnen. Dafür brauchen wir aber auch die entsprechenden politischen und finanziellen Voraussetzungen“, betonte Baumann.
Im kommenden Jahr wird die Mitgliederversammlung um ein Kongressformat ergänzt: Der „VDAB Impuls“ steht unter dem Motto „Zukunft braucht Zuversicht“ und bringt Expertinnen und Experten aus der Praxis, Unternehmen und Führungskräfte zusammen. In verschiedenen Panels soll die Vielfalt der Pflege aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und gemeinsam über ihre Zukunft diskutiert werden.
„Wir wollen die Zukunft der Pflege nicht verwalten, sondern gestalten. Dafür brauchen wir Zuversicht, klare politische Entscheidungen und den Mut, neue Wege zu gehen“, kündigte Baumann an.