Offene Türen in historischen Apotheken 20.09.2026 09:01 Uhr
Zum Tag des offenen Denkmals haben am vergangenen Sonntag deutschlandweit mehr als 6500 Denkmäler ihre Türen geöffnet. Darunter waren Burgen, Fachwerkhäuser, Kirchen – und auch Apotheken. Zu erkunden waren unter anderem die Krankenhausapotheke, die Theodor Fontane leitete, bevor er den Apothekerberuf aufgab; das wohl älteste Fachwerkhaus Mecklenburg-Vorpommerns; eine Apotheke, die 1633 gegründet wurde, und eine, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte.
In Berlin konnte die Fontane-Apotheke im Diakonissenkrankenhaus Bethanien besichtigt werden. Die Apotheke ist heute Teil des Friedrichshain-Kreuzberg Museums. Im Revolutionsjahr 1848 trat Theodor Fontane die Stelle in Bethanien an, leitete die Krankenhausapotheke und bildete die Diakonissen aus. Es sollte sein letztes Jahr als Apotheker sein.
Die Apotheke selbst ist heute noch in ihrer originalen Ausstattung mit Gefäßen aus zeitgenössischen Beständen erhalten. Am Samstag und Sonntag konnten die Räume besichtigt werden, der Historiker Michael Leetz hielt Vorträge zu Theodor Fontane und dem Krankenhaus Bethanien.
In Ritterhude, nördlich von Bremen, hat die Gemeinde am Wochenende den 100. Geburtstag der Linden-Apotheke gefeiert. Am Sonntag lud eine Ausstellung dazu ein, in die Geschichte der Apotheke einzutauchen. Historische Exponate, Informationen zu Heilkräutern und das teilweise erhaltene Interieur mit alten Schränken, Auszügen und Regalen ließen die Atmosphäre des einstigen Verkaufsraums wieder lebendig werden und weckten Erinnerungen an vergangene Zeiten.
Gästeführerin Regine Schäfer erzählt von der besonderen Geschichte des Gebäudes: Die Geschwister Ries, Hermann, Johann und Marie, wanderten Anfang des 20. Jahrhunderts nach Amerika aus, waren dort wirtschaftlich sehr erfolgreich und wurden zu Förderern ihrer Heimat. Die Gewinne flossen zurück nach Ritterhude und in den Bau von insgesamt sechs Ries-Gebäuden und die Gründung einer Stiftung zu ihrer Erhaltung.
Die Apotheke, das zweite dieser Ries-Gebäude, wurde 1926 eröffnet. Inzwischen werden die Räume von der Ritterhuder Stadtverwaltung genutzt – aber die Älteren der Gemeinde erinnern sich noch gern an die Apotheke. Die Ausstellung am Wochenende wurde mit Spannung erwartet, sagt Schäfer. Das große Interesse sei nun auch zum Anlass genommen worden, im Herbst zu einem Vortrag zur Geschichte der Apotheke und der Ries-Gebäude einzuladen.
Im baden-württembergischen Esslingen konnte die ehemalige Apotheke am Fischbrunnen besichtigt werden. Die Apotheke wurde 1633 gegründet und bestand bis 2018. Apotheker Dr. Wolfgang Strölin, der die Apotheke von seinem Vater übernommen und 35 Jahre lang geleitet hat, führte durch die Räume. Das Interesse war groß: Alle Führungen waren ausgebucht.
Das Gebäude wurde nach dem Stadtbrand von 1701 errichtet und um 1900 im neobarocken Stil umgestaltet. Ein Raum blieb als Museum erhalten. Im ersten Obergeschoss befinden sich Kartuschen mit Apothekensymbolen sowie Darstellungen von Asklepios, dem Gott der Heilkunst, und Hygiea, der Göttin der Gesundheit.
Spaziergang zu Regensburger Apotheken
Die Agentur Cultheca lud in Regensburg zu einem Rundgang zu den einstigen reichsstädtischen Apotheken mit klangvollen Namen: Elefanten, Engel, Löwen und Adler. Bei dem Spaziergang gaben die Museumspädagogen auch Einblicke in das historische Apothekenwesen.
In Greifswald lud das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg zu einer Führung durch ausgewählte Bereiche des Kollegs, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind, und die Alte Apotheke in der Baderstraße. Das Gebäude gilt als das älteste erhaltene Fachwerkhaus Mecklenburg-Vorpommerns und gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Greifswalder Altstadt.