„So viel Geld wie noch nie zuvor“

Nur jeder 20. Test war echt – Haftstrafe für Corona-Betrüger 10.02.2026 15:23 Uhr

Berlin - 

Ein 27 Jahre alter Mann ist am Amtsgericht Hannover wegen millionenschweren Betrugs mit Corona-Tests zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der angerichtete Schaden liegt bei rund 1,64 Millionen Euro; die Einziehung dieser Summe werde angeordnet, sagte Richter Laurin Osterwold. Der Verurteilte habe die Notlage während der Pandemie ausgenutzt. Was er da gemacht habe, sei „unter aller Sau“ und hart zu bestrafen.

Von der Strafe soll ein Monat wegen der langen Verfahrensdauer als vollzogen gelten. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig. Nach Angaben des Verteidigers ist noch nicht beschlossen, ob er gegen das Urteil vorgehen wird.

Zu viele Corona-Tests abgerechnet

Der Mann hatte nach Überzeugung des Gerichts zwischen März und Dezember 2022 eine stark überhöhte Anzahl von Corona-Tests für einen Standort in Hannover-Anderten mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) abgerechnet. Während der Pandemie hatte es bundesweit viele Testzentren gegeben, die unbürokratisch eröffnet werden konnten – was dann auch Betrüger auf den Plan rief.

Nach Einschätzung des Richters dürfte der Anteil der echten Tests bei 4 bis 5 Prozent liegen – von über 400.000. Hunderte Menschen seien laut der Abrechnungsdaten an einem Tag doppelt getestet worden, manche dreifach. Er warf dem 27-Jährigen vor, sich nie um eine Wiedergutmachung gekümmert und von einem Insolvenzverfahren keine Ahnung zu haben. Auch wisse er nicht, wie viel er ab März 2026 in seinem neuen Job als Programmierer verdienen werde. Der Mann wirke wie ein Strohmann, der für Dritte handele, sagte der Richter.

„So viel Geld wie noch nie zuvor“

Zu Prozessbeginn hatte der 27-Jährige gestanden. Er ließ durch seinen Anwalt erklären, es habe „erkennbar zu viele Fehler“ bei der Abrechnung gegeben, manche Tests seien mehrfach abgerechnet worden. „Mir ist das über den Kopf gewachsen“, sagte er laut der Erklärung. „Ich hatte so viel Geld wie noch nie zuvor.“ Davon geblendet habe er das Geld in Städten wie Dubai, Monte-Carlo und Cannes für Hotels, Mietwagen und Artikel teurer Luxusmarken ausgegeben. In seinem letzten Wort sagte er: „Es tut mir sehr leid, wie weit es gekommen ist, ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen.“

Der Richter machte klar, er habe Zweifel, ob der Verurteilte das ganze Geld allein ausgegeben habe. Er gehe davon aus, dass Bargeld an Dritte weitergereicht wurde und bescheinigte dem Mann „kriminelle Energie“.

Die Staatsanwaltschaft hatte sich im Plädoyer für drei Jahre und sechs Monate Gefängnis sowie die Einziehung der gesamten Summe ausgesprochen, der Verteidiger für drei Jahre und drei Monate, wovon drei Monate als verbüßt gelten sollten. Außerdem sollten statt der gesamten Summe 1,4 Millionen Euro eingezogen werden.