Notfälle bei Geburten: Experten per Telemedizin 04.06.2026 10:34 Uhr
Mit einem telemedizinischen Notarztdienst sollen Experten in Bayern aus der Ferne schneller bei Geburten helfen. Der Tele-Neugeborenen-Notarztdienst (TeleNNAD) ist seit Anfang Juni im Einsatz, teilte die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) mit. „Jetzt können spezialisierte Intensivmediziner mit ihrem Team Geburtskliniken in kritischen Situationen rund um die Uhr unmittelbar unterstützen.“ Das sei „ein echter Fortschritt“.
In der Neugeborenen-Medizin zählt in Notsituationen jede Sekunde. Um Geburtskliniken in kritischen Momenten sofort zu unterstützen, hat Bayern Anfang Juni den TeleNNAD nun offiziell in den Betrieb genommen. Durch den neuen Dienst können Ärztinnen und Ärzte vor Ort unverzüglich erfahrene Neonatologinnen und Neonatologen per Bild und Ton direkt in den Kreißsaal zuschalten.
„Mit dem neuen Angebot können wir die Notfallversorgung von Neugeborenen in ganz Bayern spürbar verbessern“, betonte Gerlach. „Denn jetzt können spezialisierte Intensivmediziner mit ihrem Team Geburtskliniken in kritischen Situationen rund um die Uhr unmittelbar unterstützen. Das ist ein echter Fortschritt!“
Erste zehn Minuten entscheiden
Besonders bei Komplikationen während oder kurz nach der Geburt ist der Faktor Zeit der entscheidende Hebel, um schwerwiegende Folgeschäden oder Todesfälle zu vermeiden. Professor Dr. Matthias Keller, ärztlicher Direktor der Kinderklinik Dritter Orden in Passau und Projektleiter des zentralen Koordinierungszentrums, macht die Dringlichkeit deutlich: „Wenn Kinder während oder nach der Geburt unter Sauerstoffmangel leiden, müssen sie oft lebenslange Folgen tragen. Diese Kinder sind oftmals von schweren körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen betroffen.“
Man wisse, dass die ersten zehn Minuten nach der Geburt entscheidend seien. „Hier ist die richtige medizinische Versorgung überlebenswichtig. Mit Hilfe moderner Telemedizin schaffen wir die Möglichkeit, die Teams vor Ort in diesen entscheidenden Momenten zu unterstützen – fachlich, technisch und menschlich“, so Keller.
Das neue Angebot ist speziell darauf ausgelegt, die medizinische Expertise dorthin zu bringen, wo sie akut gebraucht wird. Davon profitieren laut Gesundheitsministerin Gerlach insbesondere Familien in ländlichen Regionen, in denen spezialisierte Perinatalzentren nicht mal eben um die Ecke liegen. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Sie benötigen eine speziell auf ihr Alter abgestimmte medizinische Expertise“, so die Ministerin.
„Wegweisendes Projekt“
Der Aufbau des laut bayrischem Gesundheitsministeriums wegweisenden Projekts hatte planmäßig im Oktober vergangenen Jahres begonnen. Es ist als neuer Fachbereich der Neonatologie in die 2024 eingerichtete „virtuelle Kinderklinik“ Bayerns integriert, die bereits das Belegungsmanagement freier pädiatrischer Kapazitäten steuert.
Dass dieses hochinnovative Netzwerk innerhalb weniger Monate einsatzbereit war, zeige laut Gerlach die Leistungsfähigkeit der digitalen Gesundheitsversorgung im Freistaat. Unterstützt wird das Projekt durch das bayerische Gesundheitsministerium und den Verein Sternstunden, eine Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks.