Medizinstudenten wollen eigene Praxis 06.08.2026 08:34 Uhr
Die Mehrheit der Medizinstudierenden in Sachsen ist offen für eine Niederlassung und selbst für eine Praxis auf dem Lande. Das ergab eine Befragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) an Hochschulen des Freistaates. Demnach können sich 71 Prozent der Befragten eine künftige Niederlassung vorstellen, 21 Prozent sind unentschlossen und 8 Prozent lehnen das ab. Die Ergebnisse dieser Stichprobe zeichneten ein Stimmungsbild der Einstellungen der Studierenden, hieß es.
Laut TK gab der medizinische Nachwuchs zwar an, dass der ländliche Raum nicht zu seinen bevorzugten Niederlassungsregionen zählt. „Aber nur für 19 Prozent der Stichprobe ist eine Niederlassung in einer ländlichen Region unter keinen Umständen eine Option“, hieß es.
Eine gute Verkehrsanbindung, die Nähe zu einer größeren Stadt, eine verlässliche medizinische Infrastruktur, finanzielle Unterstützung sowie Angebote wie Schule und Kindergarten am Ort werden am häufigsten als Bedingungen genannt, um dort zu arbeiten.
Infrastruktur als Voraussetzung
Stipendien oder Zuschüsse zur Praxisgründung seien wichtig und würden von den Studierenden ausdrücklich nachgefragt, betonte TK-Chef Alexander Krauß. Politik und Selbstverwaltung sollten die Angebote gezielt ausbauen.
Zugleich müssten ländliche Kommunen ihre Standortvorteile sichtbar machen: Eine gute Infrastruktur, Hilfe bei Praxisgründung und Wohnungssuche sowie verlässliche Bildungsangebote für Kinder könnten den Ausschlag geben, damit sich junge Ärztinnen und Ärzte dauerhaft für eine Niederlassung vor Ort entschieden.
Nachbesetzung ein Problem
Nach den Worten von Stefan Windau, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, erschwert der demografische Wandel insbesondere in den ländlichen Regionen Sachsens die Nachbesetzung von Arztpraxen. „Die Förderung der Weiterbildung sowie der vertragsärztlichen Tätigkeit ist hier ein Baustein, um auch zukünftig eine flächendeckende ambulante Versorgung zu gewährleisten. Entscheidend sind jedoch auch gesamtgesellschaftlich funktionierende Infrastrukturen in den Regionen.“
Junge Ärzte wollen Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Ein weiterer Befund der Befragung: Für fast alle der befragten Studierenden (98 Prozent), die sich eine Niederlassung vorstellen können oder noch unentschlossen sind, ist eine gute Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben als Motiv für eine eigene Praxisgründung besonders wichtig. Relevant sind zudem eine flexiblere Gestaltung und verlässlich planbare Arbeitszeit (95 Prozent), weniger Bereitschafts-, Nacht- und Wochenenddienste (88 Prozent) und mehr Zeit für die Behandlung der Patienten (78 Prozent).
Vorbereitung schon im Studium
92 Prozent der Studierenden wünschen sich eine gezielte Vorbereitung auf die Niederlassung bereits im Medizinstudium. Vor allem betriebswirtschaftliche, rechtliche und administrative Themen zu einer eigenen Praxis sind für die Betroffenen wichtig. Ein Blick nach Bayern zeige mögliche Ansätze, hieß es weiter. Dort werde das Wahlfach „Ohne Sorge in die Niederlassung“ bereits an den Universitäten München, Erlangen und Würzburg angeboten.
„Ein ähnliches Angebot an den medizinischen Fakultäten in Sachsen könnte dazu beitragen, Bedenken der Studierenden zu reduzieren und ihnen mehr Sicherheit für den Schritt in die Selbstständigkeit zu geben“, betonte Krauß.
Die Befragung entstand in Kooperation mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Die Erhebung wurde im November und Dezember 2025 durchgeführt. Befragt wurden 63 Studierende der Humanmedizin in Sachsen. Sie waren im Durchschnitt 25 Jahre alt, überwiegend weiblich und stammen mehrheitlich aus Sachsen.