Medikamente im Ausland: „Mehr als 10 Prozent gefälscht“ 04.08.2026 09:36 Uhr
Ob vergessene Tabletten, eine Reiseverlängerung oder eine plötzliche Erkrankung – es gibt viele Gründe, warum Urlauber im Ausland Medikamente kaufen müssen. Doch Vorsicht ist geboten: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchschnittlich mehr als 10 Prozent der Arzneimittel minderwertig oder gefälscht.
Besonders betroffen sind Regionen in Südostasien sowie Zentral- und Westafrika. Urlauberinnen und Urlauber müssen damit rechnen, dass etwa 10,5 Prozent der Arzneimittel minderwertig oder gefälscht sind. Daher empfiehlt das Centrum für Reisemedizin (CRM) dringend, notwendige Dauermedikamente bereits komplett aus Deutschland mitzunehmen.
Wirkungslosigkeit und Resistenzen
Entgegen der häufigen Annahme sind es selten giftige Inhaltsstoffe, die gefälschte Medikamente so gefährlich machen. „Das größte Risiko besteht darin, dass Arzneimittel ihre therapeutische Wirkung nicht oder nur unzureichend entfalten“, erklärt Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM.
Tabletten enthalten demnach oft zu wenig oder gar keinen Wirkstoff. Bei Antibiotika begünstigt eine zu geringe Dosierung die Entstehung gefährlicher, antimikrobieller Resistenzen. Außerdem bestehe Lebensgefahr für Kinder: In den letzten Jahren kam es weltweit immer wieder zu schweren Vergiftungen und Todesfällen durch verunreinigte Fieber- und Hustensäfte unbekannter Herkunft.
Tipps für den Ernstfall
Wenn sich ein Kauf im Reiseland nicht vermeiden lässt, sollten Betroffene folgende Sicherheitsregeln beachten und bedenken, dass Laien Fälschungen optisch kaum erkennen können:
- Arzneimittel sollten ausschließlich in lizenzierten Apotheken oder etablierten Gesundheitseinrichtungen erworben werden. Straßenhändler und Märkte sollten konsequent gemieden werden.
- Bevorzugt werden sollten original verschlossene Blisterpackungen. Lose Tabletten oder Kapseln aus großen Behältern sind deutlich häufiger mangelhaft.
- Bei einem Verpackungs-Check sollte auf Beschädigungen, Rechtschreibfehler auf der Packung, fehlende Beipackzettel oder unvollständige Herstellerangaben geachtet werden.
- Pädiatrische Sirupe und Säfte unbekannter Herkunft sollten grundsätzlich niemals gekauft werden.
Im Zweifel gilt laut CRM: Lässt sich die Herkunft nicht eindeutig klären, sollte auf die Einnahme verzichtet und sich vor Ort ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.