Legionellen in Seniorenwohnhaus – zwei Todesfälle 23.07.2026 12:19 Uhr
Nach dem Befall mit Legionellen in einem Seniorenwohnhaus und zwei Todesfällen in Berlin-Tegel prüft das zuständige Gesundheitsamt heute die Lage vor Ort und entnimmt Wasserproben. Die Proben aus den Leitungen würden dann in den nächsten Tagen analysiert, wie ein Sprecher der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Berlinovo, die das Haus betreibt, sagte.
Die Wohnungsgesellschaft werde dann vom Gesundheitsamt informiert. Wenn die Wasserproben frei von Legionellen seien, könne Entwarnung gegeben werden.
Der Legionellenbefall war aufgefallen, weil fünf Mieter ins Krankenhaus kamen. Zwei von ihnen starben, drei wurden wieder entlassen. Es sei aber nicht klar, ob die Krankenhausaufenthalte und Todesursachen im direkten Zusammenhang mit den Legionellen stehen, so die Berlinovo.
Nach Bekanntwerden des Befalls am 8. Juli seien alle Mieter der insgesamt 93 Apartments informiert worden. Duschen war zunächst nicht mehr erlaubt, Leitungen wurden desinfiziert. In Duschen und Wasserhähne wurden tagelang Filter eingebaut. Das Gesundheitsamt verbot, Wasserleitungen ohne Filter zu benutzen. Die Betreiber des Hauses stellten Trinkwasser in Flaschen bereit.
Wie werden Legionellen übertragen?
Die Erreger werden häufig durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser (Aerosole) übertragen, etwa beim Duschen, in Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne. Beim Trinken von erregerhaltigem Wasser besteht laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in der Regel keine Ansteckungsgefahr, da die Legionellen im Magen von der Magensäure abgetötet werden. In seltenen Fällen steckten Menschen sich an, wenn kontaminiertes Wasser beim Verschlucken versehentlich in die Luftröhre gelange.
Nach Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) tritt eine Infektion mit Legionellen, eine sogenannte Legionellose, vor allem im Frühling und Sommer auf, da Legionellen sich am besten in wärmerem Wasser vermehren. Ideale Wachstumsbedingungen gibt es bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Begünstigt werde die Vermehrung außerdem, wenn das Wasser länger stand, zum Beispiel nach dem Urlaub, in selten genutzten Trinkwasserinstallationen oder in Whirlpools.
Von Mensch zu Mensch werden Legionellen in der Regel nicht übertragen. Dem Robert Koch-Institut (RKI) ist nur ein Fall bekannt, in dem eine direkte Übertragung zwischen Menschen stattfand.
Wie äußert sich die Krankheit?
Erkrankungen durch Legionellen äußern sich entweder als sogenannte Legionärskrankheit oder als Pontiac-Fieber. Die Legionärskrankheit ist laut RKI eine schwere Form der Lungenentzündung, die sich klinisch nicht von anderen Formen der Lungenentzündung unterscheidet. Außerdem könnten Verwirrtheit, Bauchschmerzen und Durchfall vorkommen.
Das Pontiac-Fieber ist ein akuter Infekt mit Fieber. Meistens treten laut RKI grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schmerzen im Brustkorb und trockener Husten auf.
Wie häufig erkranken Menschen an Legionellen?
In Berlin wurden dem Lageso dieses Jahr bislang 54 Fälle übermittelt. Das seien weniger Fälle als der Mittelwert des entsprechenden Zeitraums der vergangenen fünf Jahre (61). Im gesamten Jahr 2025 gab es den Angaben nach 140 Fälle. In den Jahren zuvor schwankten die Infektionszahlen zwischen minimal rund 100 und maximal rund 150 Fällen pro Jahr.
Deutschlandweit wurden dem RKI dieses Jahr bislang 977 Fälle gemeldet. In den drei Jahren zuvor waren es das gesamte Jahr über jeweils um die 2200 Fälle.
Wie üblich sind Sterbefälle?
Sterbefälle gibt es jedes Jahr. In Berlin lag die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Jahren im einstelligen Bereich, wie eine Sprecherin des Lageso mitteilte. 2025 waren es zwei, 2024 drei und 2023 zwei.
In Deutschland starben den Angaben einer RKI-Sprecherin zufolge dieses Jahr 45 Menschen an einer Legionellose. In den vergangenen drei Jahren gab es demnach jährlich etwas mehr als 100 Todesfälle. 2025 waren es zum Beispiel 118. Seit 2015 ist die Zahl der Todesfälle, mit Ausnahme eines Einrisses im Pandemie-Jahr 2020 und einem leichten Rückgang 2024, kontinuierlich angestiegen. Betroffen seien vor allem Menschen ab 60 Jahren.
Im Schnitt sterben an der Legionärskrankheit zwischen 5 und 9 Prozent der Infizierten, wie das RKI informiert. Bei Menschen, die sich im Krankenhaus infiziert haben, ist das Risiko höher, dort sterben etwa 13 Prozent. Todesfälle im Zusammenhang mit dem Pontiac-Fieber seien nicht bekannt.
Was kann man gegen Legionellen tun?
Wasserleitungen sollten regelmäßig genutzt, Kaltwasserleitungen am besten wärmeisoliert werden, wie das BIÖG rät. In einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasserspeicher sollte die Reglertemperatur am Trinkwassererwärmer auf mindestens 60 Grad eingestellt sein. Die Wassertemperaturen im Leitungssystem sollte an keiner Stelle Temperaturen unter 55 Grad aufweisen, so das Institut.
In Mietshäusern und öffentlichen Gebäuden werden laut BIÖG regelmäßig Wasserproben untersucht. Werde eine bestimmte Konzentration von Legionellen nachgewiesen, müsse das Gesundheitsamt informiert werden.