Millionenverluste durch einen Immobilienfonds

KV klagt gegen Fondsanbieter 17.07.2026 17:53 Uhr

Stuttgart - 

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) fürchtet Millionenverluste durch einen Immobilienfonds. Nun zieht sie vor Gericht – es geht laut Sprecher aber nicht um Beitragsgelder oder ärztliche Honorare.

Die KVBW rechnet mit Millionenverlusten aus Geschäften mit dem Immobilienfonds der Schweizer Gesellschaft Verius. Das teilte ein Sprecher der Behörde mit. Es handle sich aber nicht um Beitragsgelder.

Zwischen 2019 und 2022 habe die KVBW Mittel des eigenen Verwaltungshaushalts in den Fonds investiert. Dessen Börsenhandel wurde im Dezember 2022 ausgesetzt. Seit 2025 verdichteten sich die Hinweise, dass diese Investition voraussichtlich größere Verluste mit sich bringen werde, sagte der Sprecher. „Ärztliches Honorar oder Beitragsgelder von Krankenversicherten sind nicht betroffen.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, die KV aus Baden-Württemberg habe 50 Millionen Euro investiert.

Vereinigung spricht von Täuschung durch Fonds

Aus den bisherigen Erkenntnissen ergebe sich, dass die Anleger über die Sicherheit und aufsichtsrechtliche Zulässigkeit dieser Anlagen bewusst getäuscht wurden. „Deshalb haben KVBW und andere Anleger Ende 2025 beim Landgericht Frankfurt Klage auf Schadensersatz eingereicht“, erklärte der Sprecher. Die KVBW versuche damit, den Verlust zumindest teilweise auszugleichen.

In der damaligen Negativzinsphase erfolgte die Anlage mit einer Garantieverzinsung von 1,25 Prozent. Die Zulässigkeit der Anlagen sei vor dem Kauf durch zwei Prüfungsgesellschaften bestätigt worden. Auch rückblickend ergaben sich bei der externen Wirtschaftsprüfung und einer Prüfung der Finanzanlagen unter anderem durch die Innenrevision keine Beanstandungen.

Linke fordern „lückenlose Aufklärung“

Laut Recherchen von NDR, WDR und SZ haben denen mindestens 17 Krankenkassen und KVen Beitragsgelder in fragwürdige Immobilienfonds investiert. „Es ist unfassbar, dass Beitragsgelder bei den gesetzlichen Krankenkassen verzockt werden, und am Ende nicht die Verantwortlichen, sondern die Versicherten die Rechnung zahlen müssen. Wer so handelt, verspielt Vertrauen in unser Gesundheitssystem und schadet dem Sozialstaat nachhaltig“, erklärt der Linken-Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar. Es brauche nun schnellstens eine lückenlose Aufklärung und klare Konsequenzen für die Verursacher. „Gesundheit ist keine Spielwiese für Finanzspekulationen und Beitragsgelder gehören erst recht nicht in Immobilienfonds, deren Renditemodell auf immer höheren Mieten beruht.„