Krebs: „Tumorschmerz kein vorübergehendes Symptom“ 09.02.2026 08:53 Uhr
Fast jede zweite Krebspatientin oder jeder zweite Krebspatient leidet – trotz moderner Behandlungsmethoden – über Jahre hinweg unter tumorbedingten Schmerzen. Das hat eine bundesweite Befragung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) und der Deutschen Schmerzliga (DSL) ergeben. Bundesweite wurden über 12.000 Betroffene befragt. „Tumorschmerz ist kein vorübergehendes Symptom, sondern für viele ein chronisches Langzeitproblem“, betont Studienleiter Dr. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga (DSL) und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS).
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen eine prekäre Versorgungslage: Fast die Hälfte der Teilnehmenden leidet seit über fünf Jahren unter Schmerzen, wobei rund 45 Prozent neuropathische Symptome – oft als Folge von Operationen oder Krebstherapien – aufweisen.
Während ein Drittel über unzureichend kontrollierte Dauerschmerzen klagt, sind fast 50 Prozent von schweren Durchbruchschmerzen betroffen, gegen die nur jeder Dritte eine wirksame Notfallmedikation erhält. In der Folge verzeichnet mehr als die Hälfte massive Einbußen der Lebensqualität durch soziale Isolation, Schlafentzug und Depressionen.
Strukturierte Konzepte fehlen
„Tumorschmerz ist kein vorübergehendes Symptom, sondern für viele ein chronisches Langzeitproblem. Gerade bei Langzeitüberlebenden fehlen strukturierte Konzepte“, betont Studienleiter Überall. „Krebs wird heute häufiger überlebt – Schmerzen müssen als eigenständige Erkrankung systematisch behandelt werden.“
Sowohl DGS als auch DSL fordern eine konsequente routinemäßige Schmerzerfassung in der Onkologie – auch bei Langzeitüberlebenden. Eine bessere Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in moderner Schmerztherapie sei ebenso notwendig wie ein niedrigschwelliger Zugang zu wirksamen Medikamenten, insbesondere bei Durchbruchschmerzen.