Keytruda: Recherche moniert immense MSD-Gewinne 14.04.2026 12:28 Uhr
In der Krebsthearapie ist Keytruda (Pembrolizumab, Merck Sharp & Dohme (MSD)) ein bewährtes Mittel. Doch eine Therapie kostet zum Teil einen sechsstelligen Betrag im Jahr. Der US-Konzern macht mit dem Präparat nahezu die Hälfte seines Umsatzes. Den Profit, den MSD mit seinem Krebsgeschäft macht, beleuchtet das Projekt „The Cancer Calculus“ von ZDF frontal, dem „Spiegel“, dem österreichischen „Standard“ und einer Gruppe internationaler Medien unter der Leitung des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ).
Seit der US-Marktzulassung 2014 habe das Medikament demnach einen Umsatz von 163 Milliarden US-Dollar eingespielt. Noch, denn der US-Patentschutz läuft 2028 ab, danach kommt die Generika-Konkurrenz. Der GKV-Spitzenverband kommt auf Ausgaben von mehr als zwei Milliarden Euro für Keytruda im Jahr 2025. Das Recherchenetzwerk wollte nun untersuchen, mit welchen Strategien MSD den Preis hochhält und welche Konsequenzen das für Patient:innen hat.
Im Rahmen eines Berichts greift das ZDF das Schicksal einer jungen Mutter auf, die mit 30 Jahren die Diagnose bösartiger Brustkrebs bekommt. Neben einer Chemotherapie wird ihr Keytruda verschrieben. Die Therapie hat bei ihr gut angeschlagen. Bei dieser Form des Brustkrebses „triple-negativ“ werde Keytruda bei erhöhtem Rückfallrisiko verschrieben und steigere die Überlebensrate um 5 Prozent gegenüber einer einfachen Chemotherapie, so das ZDF.
Beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom sei der erwartbare Behandlungserfolg hingegen deutlich höher. Dr. Nikolaj Frost, Leiter des Lungenkrebszentrums der Charité, nennt es im Recherche-Bericht einen „krassen Paradigmenwechsel“: „Der Standard bis vor etwa zehn Jahren war eine Chemotherapie, die das Voranschreiten der Erkrankung nur sehr kurz aufhalten konnte“, so Frost laut ZDF. Die Immuntherapie habe hingegen inzwischen schon viele Leben von Betroffenen um ein Jahr oder mehr verlängert.
„Obszöner“ Keytruda-Preis wegen Forschungskosten?
Frost und seine Forschungsgruppe erforschen Methoden, um bei gleichem Erfolg die Kosten zu senken. Eine Verkürzung der Therapiedauer könne beispielsweise bei Lungenkrebs bis zu 200 Millionen Euro pro Jahr sparen. „Die Zulassungsstudie beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom des Unternehmens MSD bezog sich auf eine zweijährige Therapie, allerdings ist die Zulassung für die Therapie durch die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) zeitlich nicht begrenzt und auch die Leitlinie gibt keine eindeutige Empfehlung“, so das ZDF.
Laut den Berechnungen kommen in Deutschland für Keytruda pro Patient Jahrestherapiekosten von durchschnittlich 94.000 Euro zusammen. Angesichts knapper Kassen hält der Onkologe und Pharmakologe Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig den Preis für das Mittel „obszön“.
Hersteller MSD rechtfertigt den Preis laut Bericht mit den hohen Forschungskosten. 30 Milliarden US-Dollar seien für die „eigene interne Entwicklung“ ausgegeben worden, 14 Milliarden US-Dollar „für Forschungskooperationen zur Weiterführung der Untersuchungen zu Pembrolizumab (Keytruda) in Kombination mit anderen Wirkstoffen“. Laut Recherche lassen sich diese Kosten anhand der belegten Studien nicht einmal ansatzweise nachvollziehen. Hinzukomme, dass zugrundeliegende Forschungskosten teils aus öffentlichen Geldern für den Kampf gegen Krebs subventioniert werden.