Hausärzte gegen Bestellprozess

„Keinerlei Flexibilität“: Hausärzte kritisieren Bestellregelung 20.01.2026 08:58 Uhr aktualisiert am 20.01.2026 10:55 Uhr

Berlin - 

Weil sie Grippeimpfstoffe lange im Voraus bestellen müssen, können Arztpraxen nach eigenen Angaben nicht schnell genug auf eine höhere Nachfrage reagieren. Die Hausärzte fordern daher, von finanziellen Risiken bei solchen Bestellungen befreit zu werden. Abda-Präsident Thomas Preis ruft zudem vor der Karnevals-Hochzeit noch zu Grippeimpfungen auf.

„Unsere Praxen haben aktuell keinerlei Möglichkeit, auf eine stärkere Nachfrage angemessen zu reagieren. Grund ist die extrem rigide Bestellregelung, die uns keinerlei Flexibilität erlaubt“, betonen Professor Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, in einem Schreiben.

Bestellungen viele Monate vorher fällig

Die Praxen müssten, auch wegen langfristigerer Produktion, ihren Bedarf an Impfstoffen bereits ein Dreivierteljahr vorher bestellen. So weit vorab sei jedoch nicht absehbar, wie viel Bedarf es gebe. Bestelle man als Praxis zu viel Impfstoff, der dann nicht benötigt werde, laufe man Gefahr, von den Krankenkassen finanziell sanktioniert zu werden. Dies wird als Regressrisiko bezeichnet.

In dieser Saison sei unter anderem wegen einer frühen Grippewelle die Nachfrage vergleichsweise hoch gewesen, heißt es vom Hausärzteverband. Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Regionen Deutschlands berichteten demnach, dass bereits Mitte Dezember Grippeimpfstoffe fehlten. Viele Praxen organisierten Netzwerke, um Restbeständen zu finden. Auch aktuell bestünden die Probleme weiterhin, sagte eine Sprecherin des Verbandes. Auch wenn die klassische Impfzeit vorbei sei, könne es vorkommen, dass Patienten vertröstet werden müssten.

„Ein Damoklesschwert über der Impfkampagne“

Die Verbandsvorsitzenden kritisieren, die Regelungen hingen seit Jahren „wie ein Damoklesschwert über der Impfkampagne. Das muss sich dringend ändern.“ Vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hieß es Mitte Dezember, es gebe bei Impfstoffen bundesweit betrachtet keine Mangelsituation. Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät unter anderem Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Impfung gegen Grippe.

Vor dem Höhepunkt der Karnevalszeit rief Abda-Chef Preis Ende vergangener Woche noch zur Grippeimpfung auf. „Einige Grippeimpfstoffe sind schon nicht mehr lieferbar“, sagte Preis der „Rheinischen Post“. Der Impfstoff für über 60-Jährige sei so knapp geworden, dass Apotheken jetzt per Sondererlaubnis die Versorgung mit Impfstoff aus Italien sicherstellten.

„Wir nehmen an, dass wir zum Höhepunkt des rheinischen Karnevals auch den Höhepunkt der Grippewelle erleben werden. Es ist noch nicht zu spät, sich gegen Grippe impfen zu lassen“, sagte Preis. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen, alle über 60-Jährigen sowie Schwangere sollten sich jetzt noch impfen lassen.