Impfen: Kampf gegen Desinformation und Skepsis 08.05.2026 16:27 Uhr
Im Kampf gegen steigende Impfskepsis könnte der Ausbau der niedrigschwelligen Angebote ein zentraler Hebel sein – unter anderem über die Apotheken. Branchenverband Pharma Deutschland sprach im Rahmen seines „ImpfTalks“ Ende vergangenen Monats mit verschiedenen Akteuren darüber, wie etwas gegen die niedrigen Impfquoten getan, wie Menschen besser erreicht und überzeugt werden können.
„Obwohl Impfungen zu den wirksamsten Präventionsmaßnahmen gehören, werden die angestrebten Impfquoten in Deutschland vielfach nicht erreicht. Neben Zugangsproblemen gewinnen insbesondere Kommunikationsdefizite und die Verbreitung von Desinformation an Bedeutung“, so Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann.
Die Talk-Teilnehmenden seien sich einig gewesen, dass Impfungen heute verstärkt kommunikativ begleitet werden müssen. „Eine Aufgabe, die von Hausarztpraxen und Apotheken nicht allein gestemmt werden kann“, so der Konsens. Faktenchecks allein würden hier nicht helfen. Es brauche eine verständliche, glaubwürdige und zielgruppengerechte Kommunikation und Vertrauen durch glaubwürdige Multiplikatoren – wie Ärzt:innen, Apotheker:innen, aber auch lokale Akteure, Arbeitgeber oder digitale Formate auf Social Media.
Glaubwürdige Kommunikation
„Impfen ist nicht nur eine Frage der Verfügbarkeit, sondern vor allem eine Frage des Vertrauens und der richtigen Ansprache“, so das Fazit von Dorothee Brakmann. „Wenn es gelingt, niedrigschwellige Angebote mit glaubwürdiger Kommunikation zu verbinden, können wir die Impfbereitschaft langfristig stärken.“
Die NRW-Landtagsabgeordnete Susanne Schneider (FDP) betonte den Aspekt des niedrigschwelligen und im Alltag sichtbaren Zugangs zu Impfungen. So konnten sich Impfwillige im Stadion von Borussia Dortmund impfen lassen und erhielten dann ein Foto mit dem DFB-Pokal. „Solche Aktionen sorgten für große Aufmerksamkeit und hohe Beteiligung.“
Auch Hausarzt Professor Dr. Tim Knoop machte beim „ImpfTalk“ deutlich: „Ärztinnen und Ärzte können Impfungen effizient durchführen – die gesellschaftliche Überzeugungsarbeit braucht jedoch Unterstützung außerhalb der Praxis.“
Apotheker fordert „verlässliche politische Rahmenbedingungen“
Parat stehen dafür die Apotheken: Inhaber Florian Wehrenpfennig von der Rathaus Apotheke in Sankt Augustin betonte die Rolle der Apotheken. „Apotheken wie unsere können Impfangebote besonders niedrigschwellig gestalten: durch digitale Terminbuchungen, verlängerte Öffnungszeiten und eine gute Erreichbarkeit im Alltag.“ Viele Menschen nutzten das bereits als Ergänzung zur hausärztlichen Versorgung – aber noch nicht genügend Apotheken machten mit.
„Gründe dafür sind unter anderem Personalmangel, räumliche Anforderungen, organisatorischer Aufwand sowie wirtschaftliche Risiken bei der Bestellung von Impfstoffen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und anderen Akteuren im Gesundheitswesen ist regional unterschiedlich ausgeprägt“, heißt es vom Apotheker. Es brauche hier „verlässliche politische Rahmenbedingungen, praktikable Lösungen bei der Impfstoffversorgung sowie eine stärkere Einbindung pharmazeutischer Teams in die Impfangebote“.