Potenzmittel war nicht deklariert

Honig mit verstecktem Sildenafil bei Amazon 05.03.2026 10:01 Uhr

Berlin - 

Das Landratsamt Tübingen warnt vor dem Verzehr einer bei Amazon verkauften Honigpaste – weil ein verstecktes Potenzmittel drin ist. Das Nahrungsergänzungsmittel „Lotus Mixed Herbal Paste with Honey“ enthält den nicht deklarierten Arzneistoff Sildenafil, wie die Behörde auf dem Internetportal „lebensmittelwarnung.de“ mitteilte.

Sildenafil ist verschreibungspflichtig und hilft gegen Erektionsstörungen. Der Wirkstoff ist unter anderem Bestandteil des Potenzmittels Viagra. Auf dem Etikett ist der Stoff demnach nicht gekennzeichnet. Verbraucherinnen und Verbraucher gingen deshalb davon aus, ein Lebensmittel zu sich zu nehmen – und kein Arzneimittel mit Wirkstoffgehalt, hieß es.

Daraus ergibt sich dem Amt zufolge ein nicht abschätzbares Gesundheitsrisiko. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Blutdruckabfall, beschleunigter Herzschlag, Brustschmerzen, Sehstörungen sowie Kopf- und Magenschmerzen. Auch zu einer schmerzhaften Dauererektion könne es kommen.

Verkaufsstopp bei Amazon

Betroffen ist Ware mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum Juli 2030. Menschen, die das Produkt erworben haben, sollten es nicht einnehmen. Bei gesundheitlichen Beschwerden soll ärztlicher Rat eingeholt werden.

Das Produkt wurde demnach in der Türkei produziert und von einem Händler aus Tübingen verkauft. „Der Inverkehrbringer wurde zum Warenrückruf beim Verbraucher aufgefordert und ein Verkaufsstopp über Amazon wurde veranlasst“, teilte das Landratsamt weiter mit.

Nicht der erste Fall

Erst im Februar ist ein Lastwagen mit Tausenden illegalen Potenzmitteln an der deutsch-österreichischen Grenze in Niederbayern erwischt worden. Zuvor habe der Fahrer für seine Lieferung aus der Türkei beim Zoll in Suben Kleidung und Shampoo zur Einfuhr angemeldet, teilte das Hauptzollamt mit. Insgesamt stellten die Zollbeamten 150 Gläser Potenzhonig „Epimedyumlu Macun“, 5600 Gelbeutel des Potenzmittels „Kamagra-Oral Jelly“ sowie 12 Fläschchen „Sivi Propolis Balen Plus“ mit Potenzmittel sicher.

Honig aus der Türkei

„Honig, Kräuterpasten und andere mit Potenzmitteln versetzte ‚Lebensmittel‘ werden überwiegend aus der Türkei nach Deutschland verbracht und stammen aus der Türkei, aus Staaten des Mittleren Ostens oder aus Malaysia“, berichtete im vergangenen Jahr auch die Generalzolldirektion. Beim Zoll sei dieses Phänomen bei der Überwachung eingeführter Arzneimitteln nach Deutschland zum ersten Mal 2022 aufgetaucht.

Seither seien die Fallzahlen gestiegen. Die Zollfahndungsämter München und Hamburg hätten in der Vergangenheit beispielsweise mehr als 13 Tonnen potenzsteigernde Lebensmittel festgestellt.