Womöglich 70.000 Datensätze betroffen

Hacker-Angriff auf Rezeptprüfer 16.05.2026 08:36 Uhr aktualisiert am 16.05.2026 08:47 Uhr

Hannover - 

Kriminelle Hacker haben in Hannover einen Verein angegriffen, der Kassenrezepte prüft. Anfang Mai seien Hinweise auf einen Cyberangriff auf den Server des Vereins entdeckt worden, bestätigte der Verein „Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftlichkeitsprüfung Niedersachsen“ (Arwini) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten die „Hannoversche Allgemeine“ (HAZ) und der NDR darüber berichtet.

Träger des Vereins sind unter anderem die AOK, IKK classic, Knappschaft sowie weitere Krankenkassen und Ersatzkassen und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen. Arwini prüft Rezepte, die Ärzte für gesetzlich Versicherte in Niedersachsen ausstellen, auf Wirtschaftlichkeit der vertragsärztlichen Versorgung sowie auf der Zulässigkeit der Verordnung von Sprechstundenbedarf.

„Nach derzeitigen Erkenntnissen ist es wahrscheinlich, dass personenbezogene und auch besonders schützenswerte Daten betroffen sind“, hieß es in der Mitteilung. Potenziell betroffen sein könnten Kontakt- und Gesundheitsdaten sowie Abrechnungsinformationen von Patienten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV).

Derzeit lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, in welchem Umfang und ob Daten tatsächlich abgeflossen sind, hieß es. Die Untersuchungen dauerten an. Laut Arwini sind die Patientendaten verschlüsselt und nicht in Klarform für die Kriminellen ersichtlich.

Nach Recherchen von HAZ und NDR könnten mehr als 70.000 Datensätze erbeutet worden sein. Arwini empfiehlt möglichen Betroffenen, besonders aufmerksam bei Kontaktaufnahmen zu sein und keine verdächtigen E-Mails oder Anhänge zu öffnen oder am Telefon private Daten weiterzugeben.

Die Internetseite der Prüfungsstelle ist nicht mehr zu erreichen.

Laut NDR lautete die Nachricht der Hacker: „Wir sind drin.“ Hinzu kam die Aufforderung, Kontakt aufzunehmen. Das Landeskriminalamt (LKA) habe jedoch empfohlen, nicht zu reagieren. Was mit dem Angriff bezweckt werden sollte, ist jedoch noch nicht klar – von Betrugsmaschen anhand der erbeuteten Daten über einen Spionage-Angriff aus dem Ausland bis hin zum Aufzeigen von Sicherheitslücken sei alles denkbar, heißt es. Übliche Zahlungsaufforderungen gibt es bisher nicht.