Gütersloh

Pöbeleien und Schlägereien vor Apotheke am ZOB Eugenie Ankowitsch, 24.08.2017 10:49 Uhr

Berlin - Belästigungen, Pöbeleien, Schlägereien, Müll, Drogenkonsum: Der Arcaden-Durchgang zwischen dem Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) und der Strengerstraße in Gütersloh gilt seit Jahren als Brennpunkt. Besonders betroffen ist das anliegende Ärztehaus und die Apotheke am ZOB. Jetzt soll damit Schluss ein. Die „dunkle Gasse“ soll verschwinden. Der Antrag für den Umbau ist bereits gestellt.

Die Apotheke und die darüber liegenden Arztpraxen leiden seit etlichen Jahren unter den Missständen. „Der Durchgang ist zum Rückzugsort von Jugendlichen geworden“, berichtet Dr. Bertram Brockschnieder, der die Apotheke am ZOB vor rund anderthalb Jahren übernommen hat. Er beklagt sich über den Lärm, Müll und aggressives Verhalten der jungen Männer. Pöbeleien und Raufereien seien an der Tagesordnung. Es würden auch schon mal Messer gezückt.

Auch seine Vorgänger seien teilweise wegen der Zustände vor der Apotheke der Verzweiflung nahe gewesen, erzählt Brockschnieder. „Im Juli ist es hier zu mehreren Pyrotechnik- und Pfefferspray-Attacken gekommen“. Die Jugendlichen sollen regelmäßig Böller vor die Füße der Passanten werfen. „Viele haben schlicht Angst, sich dem Ärztehaus und der Apotheke zu nähern.“

Eigentlich befinde sich das Ärztehaus an einem tollen Standort, sagt der Apotheker. „Es ist mitten in der Stadt. Es gibt Parkplätze und eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, so Brockschnieder. „Wir müssen aufpassen, dass solche untragbaren Zustände den Standort nicht diskreditieren.“ Es sei schwer genug, die wohnortnahe beziehungsweise gut erreichbare Gesundheitsversorgung in der Innenstadt zu erhalten.



In einem Brandbrief an die Kreispolizeibehörde haben die im Ärztehaus ansässigen Ärzte ihrem Ärger Luft gemacht. „Die momentane Situation muss aus unserer Sicht dringend entschärft werden“, heißt es darin. „Täglich werden wir von unseren Mitarbeitern und Patienten angesprochen, die uns ihre negativen Erfahrungen vor dem Haus und im Gang nebenan schildern.“ Die Ärzte verweisen dabei auf ihre Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern und Patienten und fordern mehr Polizeipräsenz und eine Überwachungskamera.

Ob mehr Überwachung tatsächlich etwas bringt, ist zumindest fraglich. „Achtung! Der Aufenthalt unter der Arcade ist untersagt! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt“, heißt es auf einem gut sichtbare roten Schild am Eingang der Gasse. Es hängt dort schon länger. Nur nützt es bislang wenig. Auch die von der Apotheke oder den Ärzten regelmäßig alarmierten Polizeibeamten können an der Situation nichts ändern. „Die Polizei spricht zwar Platzverweise aus“, berichtet der Apotheker. „Das interessiert die Jugendlichen aber gar nicht.“

Der Eigentümer der Immobilie, in dem sich das Ärztehaus und die Apotheke befinden, will am liebsten den Durchgang komplett schließen. „Das ist nicht mehr hinnehmbar“, sagte er dem Westfalen-Blatt. Baurechtlich darf er das offenbar. Bis auf zwei Anwohner hätten alle anderen dafür grünes Licht gegeben. „Ich will jedoch keinen Stress, deshalb stehe ich mit der Stadt in Kontakt. Ich möchte eine vernünftige Lösung“, wird der Eigentümer in der Zeitung zitiert. Der Antrag für den Umbau soll laut Apotheker bereits gestellt worden sein. Eine mündliche Zusage habe man bereits aus dem Rathaus erhalten, so Brockschnieder. „Hoffentlich wird es bald umgesetzt“, sagt er.



Landrat Sven-Georg Adenauer als oberster Chef der Polizei soll nach Informationen des Westfalen-Blattes wegen der untragbaren Zustände mit seinem Polizeidirektor in Kontakt stehen. „Für uns wäre es eine große Hilfe, wenn der Durchgang still gelegt wird“, erklärte Adenauer auf Anfrage der Zeitung. Um eine für alle akzeptable Lösung zu finden, soll ein runder Tisch mit allen Beteiligen geplant sein.

Die Schließung der dunklen Gasse würde nicht nur die Situation vor der Apotheke entspannen, hofft indes der Pharmazeut. Der Umbauplan sieht auch vor, dass die Apotheke von jetzt 124 auf 155 Quadratmeter vergrößert wird.

„Durch die zusätzlichen Meter will ich die Offizin verbreitern, um damit die Diskretion in der Apotheke deutlich zu verbessern“, erzählt Brockschnieder von seinen Plänen. Außerdem will der Apotheker einen Kommissionierer anschaffen und so die Warenwirtschaft der Apotheke optimieren. Vom ehemaligen Durchgang soll nach dem Umbau nur noch ein schmaler, für Passanten verschlossener Gang für die Mülleimer bleiben.