Weltfrauentag

„Geschlechtersensible Gesundheitsforschung muss Standard werden“ 08.03.2026 11:21 Uhr

Berlin - 

Anlässlich des Weltfrauentags weist das Hartmannbund-Netzwerk Ärztinnen auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin hin. Zwar rücke Frauengesundheit immer mehr in den politischen Fokus, dennoch gebe es noch viel zu tun. Geschlechtersensible Gesundheitsforschung und -versorgung müsse zum verbindlichen Standard werden, fordert das Netzwerk.

„Die öffentliche Diskussion über Themen wie Menopause und Endometriose ist gut und wichtig, nicht nur am Weltfrauentag“, erklärt Dr. Wenke Wichmann, Sprecherin des Hartmannbund-Netzwerks Ärztinnen. Biologische Unterschiede, soziale Determinanten und geschlechtsspezifische Risiken müssten aber zugleich systematisch in Studien, Leitlinien und Versorgungsstrukturen integriert werden.

„Wichtig ist dabei auch, dass wir Frauengesundheit nicht nur auf die reproduktiven Organe reduzieren – sie umfasst weit mehr“, ergänzt Dr. Dr. Galina Fischer, ebenfalls Netzwerk-Sprecherin. Der Fokus müsse auf allen menschlichen Organsystemen liegen; hier gebe es zum Teil große Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Geschlechtersensible Medizin bedeute, biologische und psychosoziale Aspekte von Gesundheit und Krankheit systematisch nach Geschlecht differenziert zu erforschen und in Prävention, Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen. „Denn Gleichbehandlung ist nicht automatisch eine gerechte oder wirksame Behandlung“, ergänzt Netzwerk-Sprecherin Dr. Iris Illing.

Problem bei Arzneimittelnebenwirkungen

Unterschiede zeigten sich zum Beispiel auch beim Medikamentenstoffwechsel: Viele bereits zugelassene Medikamente seien früher überwiegend an männlichen Probanden getestet worden. Frauen seien aber nicht bloß zehn Kilogramm leichtere Männer; es gebe darüber hinaus geschlechtsspezifische Unterschiede in Aufnahme, Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen. Die Folge sei, dass Frauen häufiger von unerwünschten Arzneimittelwirkungen betroffen sind.

Fortschritte in der Kardiologie

Besser sehe es bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus: Hier sei die geschlechtsspezifische Datenlage im Vergleich zu anderen Feldern am weitesten fortgeschritten. Dennoch bestünden auch hier weiterhin relevante Wissenslücken. „Es gibt also noch viel zu tun. Machen wir die geschlechtersensible Medizin zum Standard, statt zur Ausnahme!“, appelliert das Netzwerk.